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Nachrufe zum Tod von Josef Weber-Bluhm

Josef Weber-Bluhm war Pionier der Chinesischen Medizin, Buch-Autor und Schulgründer von Shou Zhong. Vor kurzem ist er nach einem erfüllten Leben und langer Krankheit verstorben. Wir veröffentlichen hier Nachrufe von langjährigen WegbegleiterInnen, FreundInnen und KollegInnen.

Zum Tod von Josef Weber-Bluhm – auch Peter Weber

von Ulla Blum

Das letzte Mal habe ich Peter Weber im Mai 2018 an seinem 70ten Geburtstag gesehen. Trotz langer und beschwerlicher Krankheit saß er umgeben von frischen, roten Farben in einem großen Bett und empfing freudestrahlend seine Gäste. Und die kamen zahlreich. Neben Freunden und Verwandten von Peter habe ich viele Weggefährten aus alten Tagen gesehen. Ja, so war er. Er war ein Anziehungspunkt mit großer Ausstrahlung, und das auch dann noch, als ihm wahrscheinlich schon klar war, es würde vielleicht seine letzte Geburtstagsfeier sein.

Peter war ein wichtiger Vorreiter der heutigen TCM-Scene in Berlin. Er hat viele der praktizierenden Therapeuten und Lehrer mitausgebildet, und zusammen mit Andreas Noll hat er das Fundament und den geistigen Horizont von Shou Zhong, der Berliner AGTCM-Schule abgesteckt und geprägt. Als Lehrer verströmte er Begeisterung für die Sache, denn er liebte was er tat. Er war klug und belesen, ja ein Wissender, der die Theorie zum Leben erwecken konnte.

So lernte er Chinesisch, und begann, angeregt von Claude Larre und Elisabeth Rochat de la Vallée, die chinesischen Zeichen in den Unterricht mit einzubeziehen. Doch hatte er nicht nur diese intellektuelle Seite, er war auch ein Kind der 68er. Im Sinne der Ganzheit wollte er als Therapeut den Körper, die Gefühle, Wahrnehmungen und Gedanken integrieren in die Arbeit.

Als Andreas und Peter dann Ende der 80er eine dreijährige Akupunkturausbildung etablieren, und mich dabeihaben wollten, gab es kein Zögen. Selbsterfahrung mit den 5 Elementen und die Schulung der Qi-Wahrnehmung standen auf dem Stundenplan. Leitbahnen sollten mit Hilfe des Qi erspürt und gefühlt werden. Wir alle spezialisierten uns. Andreas übernahm unsere organisatorische Führung, und plötzlich fügten sich die Dinge wie von selbst. Peter entwickelte seine Arbeit über die Sechs Schichten und sein unvergessliches Leitbahnatmen.

Systematisch erschufen wir für unsere Schüler eine 5 Elemente-Erfahrungswelt, die es zuvor so noch nicht gegeben hatte, und wir waren stolz darauf. Wir wollten die TCM theoretisch verstehen und sie praktisch erfahrbar machen. Wir wollten unsere Erfahrungen subjektiv entschlüsseln, und sie zusammen mit dem Denken wieder an uns selbst anbinden. Wir wollten eine Medizin in Selbstverantwortlichkeit. Im Unterricht orientierten wir uns deshalb ebenso an der Gestalttherapie, wie an den körperpsychotherapeutischen Vorgaben der Bioenergetik mit ihren fünf Charakterstrukturen. In Amerika war dazu gerade ein Lehrbuch von Lion Hammer erschienen, und in England gab es die Schule von J. A. Worsley, mit der wir uns als Team schon vertraut gemacht hatten.

Die damals ins Leben gerufene Schule „Shou Zhong“ hat ihren Platz gefunden. Dazu haben noch viele weitere Kollegen ihre Kraft gegeben. Sie ist heute ein Ort, an dem man alle Bereiche der Chinesische Medizin fundiert studieren kann. Als Berliner Zweig der AGTCM ist sie ein international offener Raum für die Kommunikation zwischen Ost und West, Vergangenheit und Zukunft.

Peter, du warst zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ohne deinen Geist hätten wir das damals nicht vermocht. Auch wenn es nicht immer leicht war, unsere Arbeit hat Früchte getragen. Möge sich das Gute darin immer fortsetzen. Ich danke dir persönlich für deinen Glauben an mich, und in Stellvertretung für viele möchte ich dir danken für deine Begeisterung, deine Freude und deine Kraft für die Chinesische Medizin, die in uns weiterleben wird.

Ulla Blum, Mitbegründerin von Shou Zhong und Leiterin von Qigong Berlin SAN BAO – Drei Schätze

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Lieber Josef,

von Susanne Erçetin

vor 25 Jahren habe ich bei dir den Beginn der Pulsdiagnose erlernt.
Mehr als Begriffe zu studieren, hast mich dazu ermutigt, das Fühlen zu erforschen ... von da an warst du für mich ein besonderer Lehrer, bei dem ich gerne mehr studieren wollte. Als ich 2010 nach Berlin zog, habe ich dich über Oliver Nowak sehr rasch wiedergefunden und unsere gemeinsame Zeit in und ausserhalb der Arbeitsgruppe durfte 9 Jahre dauern. DANKE !

Diese Arbeitsgruppe war einzig und für mich prägend und inspirierend– ohne Euch hätte ich diese Höhen und Tiefen der Chinesischen Medizin nie erleben können.
Du warst in diesen letzten 9 Jahren durch die Krankheit schon sehr eingeschränkt und wie du selbst gesagt hast: “Ohne die wäre ich nie dort, wo ich jetzt bin.”
Für mich hast du den Begriff 真人 „wahrhaftiger Mensch“ verkörpert. Güte und Liebe stahltest du aus. In diesem Licht schwand das Ego, war nur noch Vehikel.

Ich habe dein Akupunktur Konzept “Der Weg zum Herzen – der Weg des Herzens” mit deiner Begleitung durchwandert und inziwschen schon selbst einige Reisende dabei begleiten dürfen. Ich sehe die Freude in deinem Gesicht, wenn ich dir davon berichtet habe, dass wieder einmal jemand mehr bei sich selbst landen konnte.
Bei unserem Abschied fragte ich dich: “Und was ist, wenn du nach deinem Tod berühmt wirst?” “Dann kannst du dabei zuschauen” gabst du mir lächelnd wider.

Du hast Chinesische Medizin gelebt, verkörpert und am Ende hat sich die Erde in der Mitte – Dein Ich aufgelöst und ist in das Große Eine zurückgeflossen. Auch diesen Weg bist du entschlossen und in tiefer Freude gegangen.

Danke, lieber Josef, dass ich dich kennenlernen und Zeit mit dir verbringen durfte.

Zusammen haben wir Josef’s Buch zur Ebene V in eine digitale Form bringen können. Mit einem Vorwort von Josef V. Müller ist es unter folgendem link kostenfrei erhältlich.' https://www.einfach-su.de/akupunktur-therapie/'

Olching, den 14.04.2019
Susanne Erçetin

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Lieber Peter, Du bist nun den Weg Deines Herzens gegangen

von Andreas Noll

Ein grosser, langer Weg, den wir eine Zeitlang gemeinsam gegangen sind. In den 80ern haben wir versucht das Neijing zu ergründen, aus rudimentären Übersetzungen in Kreuzberger Hinterzimmern. Es reifte der Plan unsere Vorstellungen weiter zu bringen, inspiriert von den „Rothenburgern“ und von den Worsley-Ideen. Wir gründeten eine Schule in Berlin, schlossen uns der AGTCM unter Brodde und Giessen an – und schufen neue Maßstäbe mit einem bis dahin sehr neuem Ausbildungskonzept. Es ging um Inhalte, um das Verspüren der Energetik – Ulla Blum als drittes Gründungsmitglied der Berliner Aktivitäten unterrichtete erstmalig in einem ABZ der AG regelmässig Qi Gong und Körperpsychotherapie. Wir hatten das hehre Ziel, unseren zahlreichen SchülerInnen seit 1990 am „Ausbildungszentrum Ost“ die grossen, umfassenden Dimensionen der Chinesischen Medizin ebenso umfassend nahezubringen. Wir nannten die Schule ab 1993 „Shou Zhong“, aus dem letzten Vers des Kap. 5 im Daodejing:

Himmel und Erde sind nicht gütig.
Ihnen sind die Menschen wie stroherne Opferhunde.
Der Berufene ist nicht gütig.
Ihm sind die Menschen wie stroherne Opferhunde.
Der Zwischenraum zwischen Himmel und Erde
ist wie eine Flöte,
leer und fällt doch nicht zusammen;
bewegt kommt immer mehr daraus hervor.
Aber viele Worte erschöpfen sich daran.
Besser ist es, das Innere zu bewahren.

(Übersetzung von Richard Wilhelm)

Das Innere, die Mitte zu bewahren (Shou Zhong), und aus der leeren und gleichzeitig vollen Mitte heraus die unerschöpfliche Quelle von Qi und Shen in sich zu haben, von Himmel und Erde zu schöpfen. Peter, Du hast in den Wandlungsphasen-Wochenenden, in Pulsdiagnose und Akupunkturunterricht bei den SchülerInnen und späteren LehrerInnen tiefste Erkenntnisse und Eindrücke hinterlassen. Auch wenn Du dann nicht mehr präsent warst an der Schule- Deine Ideen und Konzepte wirken bis heute. Und ich bin sicher, Deine spirituellen Fußspuren werden noch weiter lange spürbar sein.

Viele Deiner damaligen Weggefährten pflegen die Erinnerung und Hochachtung bis heute. Ich auch, und ich bin Dir zutiefst dankbar für das, was wir mit Deiner Hilfe schaffen konnten.

Andreas Noll
Mitbegründer von Shou Zhong und ehem. Präsident der AGTCM

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Erinnerung an Joseph Weber-Bluhm, einen der Schulgründer von Shou Zhong und Autor des Buches »Der Weg zum Herzen und der Weg des Herzens«

Als erstes vielen Dank lieber Joseph, für die Pionierarbeit, die Du in der Chinesischen Medizin geleistet hast. Dein suchender Geist hat die Chinesische Medizin nicht nur in Berlin sondern auch in der AGTCM geprägt. Vor allem natürlich auch die Entstehung der Berliner Schule für Chinesische Medizin Shou Zhong. Das kreative Spannungsfeld von Dir, Ulla und Andreas hat es möglich gemacht, dass die Schule in dieser Dimension entstehen konnte. Das hat nicht nur die Therapeuten geprägt, die Du ausgebildet hast, sondern auch mit dazu bei getragen, wie sich die Schulen der AGTCM entwickelt haben.

Der persönliche Austausch mit Dir war eine spannende Erfahrung. Vor allem natürlich Dein Bestreben unser westliches Psychosomatisches Wissen mit dem traditionellen Verständnis der Chinesischen Medizin zu verbinden und dabei über das, was man heute fälschlicher Weise TCM nennt weit hinaus zu gehen. Dass dieser Austausch ebenso streitbar wie kreativ gewesen ist versteht sich von selbst. Die vielen Gespräche mit Dir auf Deinem Balkon bei Tee und dem Blick über den Landwehrkanal waren wunderbar und eine wertvolle Anregung. Dafür möchten wir uns bei Dir bedanken.

Clemens Prost
im Namen von Shou Zhong