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Reizdarm aus der Sicht der TCM – Mit Tuina-Übungen für die Selbstmassage

Annette Jonas, Hamburg

Beim Reizdarmsyndrom (RDS) können verschiedene Symptome auftreten, die in erster Linie mit einer gestörten Verdauung einhergehen. Das Hauptsymptom ist ein durchfallartiger Stuhlgang.

In der TCM-Differenzierung liegt immer eine „Störung der Mitte“ (Funktionskreis Milz/Magen) zu Grunde, sie deutet auf eine Schwäche des Milz-Qis hin. Wir verstehen darunter eine Art Schwäche der Verdauungsenergie. Die angebotene Nahrung kann nicht richtig aufgeschlüsselt werden. Es kommt zu einer Art Völlefühl, häufig mit Blähungen, gurgelnden Darmgeräuschen und Abgängen von weichem Stuhlgang. Der Darm ist irritiert und kann seine Funktion nicht richtig ausführen. Wasser wird vom Dickdarm nicht richtig resorbiert und es kommt zu weichem oder durchfallartigem Stuhlgang. Deswegen heißt die erweiterte TCM-Diagnose auch: Milz-Qi-Schwäche mit Feuchtigkeit.

Die Mitte stärken, um besser verdauen zu können

Die Ursache ist eine konstitutionelle Schwäche, die erworben oder angeboren ist. In der Konsequenz müssen wir unsere Mitte stärken, um besser verdauen zu können. Vor allem sollten bestimmte Nahrungsmittel vermieden werden, die schwerer verdaulich sind. Genannt werden in erster Linie Kuhmilch-Produkte, ein Übermaß an Rohkost und großer Verzehr von Süßigkeiten. Des Weiteren gilt natürlich, durch Therapie-Anwendungen die Mitte zu stärken.

Allerdings kann es noch weitere Störfaktoren geben. Haben wir zu viel Spannung im System, z. B. durch beruflichen Stress, kann sich diese auch auf die Verdauung auswirken. Die Diagnose lautet dafür „das Holz blockiert die Erde (Mitte)“ und bezieht sich auf ein gestautes Leber-Qi. Ursache hierfür ist meist emotionaler Druck. Ist dieser Faktor besonders stark, kann auch ein Wechsel von Durchfall und Verstopfung entstehen. Ein weiterer kleiner Störfaktor kommt, wenn wir schnell mit Aufregung reagieren und Durchfall bekommen. Dann reagiert die Herz-Energie mit Aufregung und das Leber-Qi mit Anspannung.

Zuletzt ist noch zu nennen, dass Milz-Qi bzw. Milz-Yang abhängig ist vom Nieren-Yang. Zu verstehen ist dieses am besten durch das Bild von Feuer und Kochtopf. Ist unten kein wärmendes Feuer (Nieren-Yang) im Herd, können wir auch keine Speisen kochen. Mit anderen Worten: Ist unser Unterbauch kalt (Nieren-Yang), dann wird auch unsere Verdauungsenergie schwächer sein. Es versteht sich von selbst, dass in diesem Fall besonders warme Nahrung zu sich genommen werden sollte.

Tuina-Übungen für die Selbstmassage

In der TCM-Therapie gibt es neben der Akupunktur, der Diätetik und der chinesischen Pharmakologie auch die Traditionelle Manuelle Therapie der Chinesen, die Tuina-Therapie. Sie wird von Tuina-Therapeut:innen ausgeführt. Es gibt einige Anwendungen, die Sie selbst täglich ausführen können. Die Idee dabei ist, die Verdauungsenergie zu stärken und die Beschwerden zu lindern.
 

Vorgehen:

Am besten ist es als Ritual am Morgen auszuführen zur Dickdarm-Zeit 5-7 Uhr (laut chinesischer Organuhr) oder am Vormittag zur Milz-Zeit 9-11 Uhr. Aber auch zu jeder anderen Tageszeit kann die Selbstmassage angewendet werden. Ausnahmen sind direkt nach dem Essen und wenn Sie eine akute Erkrankung haben, wie z. B. Fieber oder Kopfschmerzen. Dann sollten Sie die Massage nicht durchführen.

Sie sollten sich für die Selbst-Massage mindestens 5-10 Minuten Zeit nehmen. Ihre Kleidung sollte leicht und locker sein. Sie sollten keinen einzwängenden Gürtel tragen. Die Umgebung sollte warm sein und wie bei einer Meditation sollten Sie für diese kurze Zeit nach innen schauen und alle störenden Faktoren beiseitelassen.

Die einzunehmende Position ist im Stehen. Bei großer Schwäche können Sie auch sitzen oder liegen.

Die Haupttechnik ist das Streichen des Bauches. Hierbei kreisen wir mit beiden Händen im Uhrzeigersinn um den Bauchnabel herum. Das entspricht auch dem Verlauf des Dickdarmes. In seiner aufsteigenden Funktion an der rechten Bauchseite, seinem Querverlauf und seiner absteigenden Funktionsverlauf auf der linken Seite. Diese Anwendung sollten Sie mit Konzentration und Aufmerksamkeit durchführen. Eine Frequenz von 36 x im Uhrzeigersinn streichen wäre eine gute Behandlungszeit. Indem wir im Verlauf des Dickdarmes streichen, unterstützen wir die Verdauungsfunktion. Gerade am Morgen sollte der Stuhlgang ausgeschieden werden, Blähungen sollten abgehen. Die stehende Position unterstützt das Vorhaben. Das Streichen bringt Entspannung und leichte Wärme in den Bauch.

Es gibt auch die Möglichkeit, entgegen dem Uhrzeigersinn zu streichen, dieses stärkt die haltende Funktion des Darmes und ist besonders anzuwenden, wenn vermehrte Durchfälle am Tage sind, wie beim Reizdarmsyndrom (RDS). In diesem Fall könnte die Anwendungssequenz sein: 24 x im Uhrzeigersinn streichen und 12 x entgegen dem Uhrzeigersinn.

Beginnen und enden kann das kreisrunde Streichen auf dem Unterbauch. Dieser Bereich hat auch eine Beziehung zum Nieren-Yang und wir können am Ende des Streichens die warmen Hände dort 1-3 Minuten verweilen lassen, um die Wärme abzugeben und das Energiefeld (unteres Zinnoberfeld genannt) am Unterbauch zu stärken.

Video zeigt, wie es geht

Auf meinem kleinen Demonstrationsvideo habe ich am Anfang das Ausstreichen der Rippenbögen ausgeführt. Hier entlang zu streichen entspannt und reguliert die Leber-Energie.

Lassen Sie sich von den drei Ausführungen animieren, es selber auszuprobieren. Und fühlen Sie in sich hinein, wie gut es Ihnen tut. Viel Spaß!

Und übrigens - Diese Übung ist für alle Menschen gut, um ihre Mitte zu stärken, nicht nur für Patienten mit RDS.

Bildnachweise:
Topf am Feuer - Depositphotos/AGTCM

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