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Wirksame Pflanzenkraft gegen Erkältungen

Sabine Ritter, München

Eine Erkältung kommt nie gelegen, in der aktuellen Zeit erntet man allerdings schon einen kritischen Blick aus dem Umfeld, wenn man nur einmal niesen muss. Nicht auszudenken, wenn dies das erste Anzeichen für eine Erkältung wäre. Zum Glück gibt es hierzulande einige Heilpflanzen, die die Beschwerden im Zusammenhang mit einer Erkältung wirksam lindern können. Um diese gezielt auszuwählen, sollte man aus Sicht der Chinesischen Medizin allerdings einige Aspekte beachten.

Erkältung ist nicht gleich Erkältung

Primär werden Erkältungen von unterschiedlichen Erregern verursacht, doch sie nehmen auch einen unterschiedlichen Verlauf. In der Chinesischen Medizin unterscheidet man bei akuten Infekten aufgrund einiger charakteristischer Symptome die Wind-Kälte von der Wind-Hitze. Man bezeichnet diese als pathogene Faktoren, die in den Körper eingedrungen sind.

Wenn man bei einer Erkältung friert

Patienten, die von Wind-Kälte betroffen sind, sind typischerweise blass und frösteln auch dann, wenn sie Fieber haben. Daher suchen sie instinktiv Wärmequellen auf. Sie lehnen sich an die Heizung oder füllen sich eine Wärmflasche. Sie schwitzen nicht und leiden begleitend oft unter einem steifen Nacken und starken Kopfschmerzen, die vom Nacken aufsteigen.

Wärmende Arzneipflanzen, die das Schwitzen einleiten, können Wind-Kälte zügig wieder aus dem Organismus eliminieren. Beispiele sind der Ingwer, die Lindenblüten oder der Thymian. Obwohl man bei Wind-Kälte meist keinen Durst hat, sollte man dreimal täglich eine Tasse heißen Tee trinken. Beginnt man damit gleich bei den ersten Anzeichen der Erkrankung, hat man gute Chancen, dass man sich schon nach ein bis zwei Tagen besser fühlt.

Für eine Teemischung können diese Kräuter zu gleichen Teilen gemischt werden. Wer nicht alle Kräuter im Haus hat, nimmt einfach diejenigen, die vorrätig sind. Bei einer beginnenden Erkältung überbrüht man pro Tasse (ca. 200-250 ml) einen Teelöffel der Mischung mit kochendem Wasser und lässt sie abgedeckt 5 bis 10 Minuten ziehen. Idealerweise trinkt den Tee so warm wie möglich und begibt sich im Anschluss umgehend ins Bett, um zu schwitzen.

Bei Müdigkeit und Erschöpfung kann man Rosmarin, bei Schnupfen Anis und Majoran zur Mischung hinzufügen, wenn die Erkältung den Appetit mindert, kann Pfefferminze ergänzt werden. Sollte die Mischung die Schleimhäute zu stark austrocknen, kann man Eibisch oder Malvenblüten zugeben.

Wenn eine Erkältung mit Hitzegefühl einhergeht

Patienten mit Wind-Hitze haben im Unterschied zu denjenigen mit Wind-Kälte Fieber und einen roten Kopf mit roten Augen. Sie empfinden Wärme zudem als unangenehm und wollen sich lieber abkühlen. Wie bei Wind-Kälte leiden sie vielfach unter Kopfschmerzen, die allerdings in den ganzen Kopf ausstrahlen kann. Darüber hinaus haben sie meist großen Durst und Halsschmerzen sowie Husten. Außerdem schwitzen sie.

In diesem Fall sind Arzneipflanzen gefragt, die diese Hitze kühlen und ausleiten. Geeignet sind neben Lindenblüten beispielsweise die Blüten von Kamille, Königskerze, Mädesüß oder Schlüsselblume sowie der Salbei oder die Weidenrinde.

Lindenblüten, Kamille und Salbei sind in vielen Haushalten vorhanden und daher meist sofort verfügbar, wenn eine durch Wind-Hitze verursachte Erkrankung ausbricht. Sie können grundsätzlich zu gleichen Teilen gemischt werden; wenn die Hitze im Körper allerdings die Schleimhäute schon stark ausgetrocknet hat, werden die in den Lindenblüten enthaltenen Schleimstoffe als sehr wohltuend empfunden, da sie befeuchten. Dann sollte eine Mischung 50 g Lindenblüten und je 25 g Salbei und Kamille enthalten. Auch von dieser Mischung wird ein Teelöffel pro Tasse mit kochendem Wasser überbrüht. Der Tee sollte abgedeckt 5 bis 10 Minuten ziehen und dreimal täglich getrunken werden. Bettruhe trägt auch in diesem Fall zur Linderung der Beschwerden bei.

Bei trockenem Husten kann man der Teemischung Eibisch zufügen. Idealerweise setzt man ihn in kaltem Wasser an und kocht ihn erst nach 30 Minuten bis zwei Stunden kurz auf. In diesem Tee kann man dann die andere Teemischung abgedeckt ziehen lassen, um eine optimale Wirkung zu erzielen. Zur Erleichterung im Alltag kann man sich gleich eine Tagesportion anfertigen und einen Teil davon in einer Thermoskanne für später aufbewahren. Ebenso können beide Tees im Wechsel getrunken werden.

Alternativ kann man eine Zwiebel klein schneiden und mit ein paar Löffeln Honig mischen, so dass die Zwiebelstücke gut vom Honig umhüllt sind. Es bildet sich innerhalb kurzer Zeit ein Saft, der teelöffelweise eingenommen werden kann und die Schleimhäute in den Atemwegen gut befeuchtet.

Für jeden den passenden Schleimlöser

Mitunter sind Husten oder Schnupfen die einzigen Beschwerden, die anhalten. Auch in diesem Fall unterscheidet die chinesische Medizin zwischen Hitze und Kälte. Bei Kälte haben die wärmebedürftigen Patienten einen klaren, dünnflüssigen Schleim, bei Hitze ist dieser Schleim eher zäh und gelb. Kalten Schleim leiten beispielsweise Thymian, Anis, Majoran oder Rosmarin aus, während bei heißem Schleim unter anderem Efeu, Eukalyptus oder Spitzwegerich effektiver sind. Diese Kräuter können durch den Zusatz von Malvenblüten oder Eibisch unterstützt werden, um den Schleim zu erweichen.

Infekten wirksam vorbeugen

Viele Menschen greifen zur Stärkung der Immunabwehr gerne zum roten Sonnenhut (Echinacea purpurea oder angustifolia) oder zur Taigawurzel (Eleutherococus senticosus). Doch diese sind für eine Daueranwendung ungeeignet. Zudem wird einigen Erkrankten wie zum Beispiel Immunsupprimierten oder Patienten mit fortschreitenden Autoimmunerkrankungen von einer Anwendung abgeraten, gerade weil diese Pflanzen das Immunsystem beeinflussen. Dies kann sich ungünstig auf deren Krankheitsbild auswirken. Das Immunsystem kann allerdings auch durch täglich drei Esslöffel Hagebuttenmus oder einen regelmäßigen Genuss von ein bis drei Schorlen pro Tag mit den Säften von Holunderbeeren, schwarzer Johannisbeere oder Sanddorn effektiv unterstützt werden.

Zum Weiterlesen:
Claudia Ritter: Heilpflanzenkraft gegen Viren. Stuttgart 2020
Stephen Harrod Buhner: Pflanzliche Virenkiller. Aschaffenburg 2020
Stephen Harrod Buhner: Pflanzliche Antibiotika. Aschaffenburg 2020


Quellen:
(1) Birgit Bader, Ute Henrich: Westliche Kräuter in der chinesischen Medizin. Kulmbach 2019
(2) Birgit Bauer-Müller: Westliche Heilpflanzen in der chinesischen Medizin. Berlin und Heidelberg 2016
(3) Helmut Magel, Wolfgang Prinz, Sibylle van Luijk: 180 westliche Kräuter in der Chinesischen Medizin. Stuttgart 2012
(4) Rita Traversier, Kurt Staudinger, Sieglinde Friedrich: TCM mit westlichen Pflanzen. Stuttgart 2012
(5) Heinz Schilcher: Leitfaden Phytotherapie. München 2016

 

Bildnachweis: Sabine Ritter

 

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