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Meta-Analyse zur Sicherheit von Akupunktur: Unerwünschte Nebenwirkungen sind selten

Dr. Anne Hardy, Frankfurt

Akupunktur gehört zu den sicheren medizinischen Behandlungen. Das ist das Ergebnis einer Meta-Analyse von 21 Studien. Unerwünschte Nebenwirkungen treten selten auf und sind meistens nur mild.[1]

In den meisten Studien war die Akupunktur von Therapeut:innen mit einem soliden medizinischen Hintergrund bzw. einer gründlichen Akupunktur-Ausbildung ausgeführt worden. In der Hauptsache ging es um die Behandlung von Schmerzpatient:innen mittleren Alters. Manche Studien erfassten Nebenwirkungen, die nur von Patient:innen berichtet wurden, andere nur die von Therapeut:innen beobachteten. Einige Studien berücksichtigten alle auftretenden unerwünschten Symptome, andere nur diejenigen, die unmittelbar mit der Akupunktur in Zusammenhang gebracht wurden.

Kategorisierung der unerwünschten Nebenwirkungen

Die Autor:innen der Meta-Analyse bemerken, dass es eine Debatte darüber gibt, welche Akupunktur-Wirkungen unerwünscht sind und welche therapeutisch beabsichtigt sind. Es besteht ein internationaler Konsens, dass die Verschlimmerung von Symptomen eine unerwünschte Nebenwirkung darstellt. Allerdings interpretiert die komplementäre Medizin eine vorübergehende Verschlimmerung als erwünschte „Heilungskrise“, wenn sie zu einer langfristigen Verbesserung führt. Ebenso interpretieren Akupunkteur:innen lokale Reaktionen wie leichte Blutung beim Ziehen der Nadel, De Qi-Gefühl oder Rötung um den Einstich der Nadel als Teil des therapeutischen Prozesses. Diese unterschiedlichen Bewertungen von Akupunktur-Wirkungen in der chinesischen und westlichen Medizin sollte man bei der Kategorisierung berücksichtigen.

In der Meta-Analyse wurden die Nebenwirkungen folgenden Kategorien zugeordnet:

  • Blutung
  • lokaler Schmerz
  • andere lokale Nebenwirkungen
  • distaler Schmerz
  • Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen
  • emotionale Beeinträchtigungen
  • Nebenwirkungen von Moxa oder falscher Nadeltechnik
  • Verschlimmerung von Symptomen
  • andere, nicht klassifizierte Nebenwirkungen

Betroffene Organsysteme:

  • ZNS
  • peripheres Nervensystem
  • vegetatives System
  • motorisches System
  • gastrointestinales/gynäkologisches System
  • kardiovaskuläres System
  • Atmungsorgane
  • generalisierte Hautreaktionen

Die Ergebnisse in Zahlen

Unerwünschte Nebenwirkungen traten bei 9,31 Prozent der Patient:innen auf, die eine Serie von Akupunktur-Behandlungen erhielten. Bezogen auf die Gesamtzahl der Behandlungen traten bei 7,57 Prozent Nebenwirkungen auf. In der Hälfte der Fälle handelte es sich dabei um lokale Blutungen sowie Schmerz und Rötung am Einstich der Nadel. Also Wirkungen, die aus Sicht der Chinesischen Medizin zur Therapie gehören.

Bei der Kategorisierung schwerwiegender Symptome nach der Behandlung folgten die meisten Studien der Definition der International Conference on Harmonisation (ICH) of Good Clinical Practice.[2] Eine deutsche Studie adaptierte die Definition für Akupunktur-Wirkungen folgendermaßen: “Als schwerwiegende unerwünschte Therapiewirkungen waren alle Ereignisse zu bewerten, die a) möglicherweise in einem kausalen Zusammenhang mit der Akupunkturbehandlung standen und b) behandlungspflichtig waren oder/und den Patienten gravierend beeinträchtigten oder gefährdeten (z. B. Pneumothorax, Nervenläsion).“[3]

Für schwerwiegende Ereignisse, die nach einer Akupunkturbehandlung auftraten, wurde anhand einer Risikoabschätzung ermittelt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass diese einen ursächlichen Zusammenhang mit der Akupunktur haben. An dem Verfahren waren unabhängige Ärzt:innen beteiligt, die mehr als 300 Stunden Akupunktur-Ausbildung absolviert hatten und über eine Praxiserfahrung von mehr als 10 Jahren verfügten. Der Tod in den Tagen nach einer Akupunktur-Behandlung, akute Infektionen, Schlaganfälle oder Suzid wurden aufgrund der Risikoabschätzung als unwahrscheinlich eingestuft.

Als wahrscheinliche schwerwiegende Folge einer Akupunktur wurden eingestuft: Stürze und Verletzungen mit oder ohne Knochenbruch, kardiovaskuläre Symptome, die eine Behandlung im Krankenhaus erforderten oder Pneumothorax. Diese traten aber sehr selten [4] auf: In fünf Studien mit insgesamt 1.182.860 Patient:innen, die 10.570.678 Behandlungen erhielten, wurden zwischen zwei und 47 schwere Nebenwirkungen berichtet. Insgesamt (gemittelt über alle Studien) traten bei einem/einer von 10.000 Patient:innen bzw. in 7,98 von einer Million Behandlungen (95 % CI von 0.23 bis 2.33, 11 Studien) schwere Nebenwirkungen auf. Unerwünschte Nebenwirkungen, die behandlungsbedürftig waren, kamen bei 1,14 von Tausend Patient:innen vor.

Schlussfolgerung

Schwerwiegende Nebenwirkungen von Akupunktur sind selten (rare (≥1/10 000 bis <1/1000). Nebenwirkungen, die einer medizinischen Behandlung bedürfen, sind unüblich (uncommon (≥1/1000 bis <1/100)), erfordern aber vom/von der Behandler:in medizinische Kompetenz, so dass die Patient:innensicherheit gewährleistet ist. Wünschenswert für weitere Einschätzungen von Akupunktur-Risiken sind standardisierte Erhebungsmethoden und klare Kriterien zur Differenzierung zwischen unerwünschten Nebenwirkungen und therapeutisch erwünschten Reaktionen. Zusätzlich empfehlen die Autor:innen, patientenbezogene Risikofaktoren zu ermitteln.

Referenzen:
[1] Bäumler P, Zhang W, Stübinger T, et al
Acupuncture-related adverse events: systematic review and meta-analyses of prospective clinical studies
BMJ Open 2021;11:e045961. doi: 10.1136/bmjopen-2020-045961

[2] https://www.ema.europa.eu/en/documents/scientific-guideline/ich-e-6-r2-guideline-good-clinical-practice-step-5_en.pdf

[3] Weidenhammer W, Streng A, Melchart D, et al. Unerwünschte Wirkungen und Komplikationen bei Akupunkturbehandlung: Ergebnisse Der großen Beobachtungsstudie Im Rahmen des Modellvorhabens Der Ersatzkassen. Dtsch Zeitschrift für Akupunkt 2008;51:6–14.

[4] Einstufung der Risiko-Abschätzung nach der Richtlinie des Council for International Organisations of Medical Sciences: very common (≥1/10 patients), common (≥1/100 to <1/10), uncommon (≥1/1000 to <1/100), rare (≥1/10 000 to <1/1000) or very rare (<1/10 000).
Guidelines for Preparing Core Clinical-Safety Information on Drugs Second Edition – Report of CIOMS Working Groups III and V - CIOMS

Bildnachweise:
Depositphotos/AGTCM

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