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Mythos Battlefield-Akupunktur?

Dr. Anne Hardy, Frankfurt

Die von Richard C. Niemtzow 2007 entwickelte „Battlefield acupuncture“ (BFA)[1]  ist nach einer neueren Meta-Analyse, wenn überhaupt, nur für die kurzfristige Schmerzlinderung geeignet. Die derzeitige Studienlage rechtfertige keine Langzeitanwendung, schreibt der Sportmediziner Johannes Fleckenstein von der Goethe-Universität Frankfurt in der Deutschen Zeitschrift für Akupunktur.[2] 

Bereits Ende 2020 hatte eine Gruppe um Juan Yang von der Mayo Klinik in Rochester, USA, in einer Meta-Analyse Kritik an der BFA geäußert. Nach einer Recherche in mehreren Datenbanken hatten sie fünf englischsprachige randomisierte, kontrollierte Studien (RCT) zur BFA mit insgesamt 344 Patienten eingeschlossen. Yang und sein Team fanden, dass die BFA im Vergleich zu den jeweiligen Kontrollgruppen keine signifikante schmerzstillende Wirkung hat. Die Patienten in den Kontrollgruppen wurden entweder gar nicht behandelt oder sie erhielten eine Standard Schmerz-Behandlung, „Schein-Ohrakupunktur“ oder zeitlich verzögerte BFA.[3] 

Die Meta-Analyse von Fleckenstein bezieht nun neuere Studien ein, die bis zum 10. Februar 2021 erschienen sind. Er fand bei seiner Recherche in der Datenbank PubMed insgesamt 41 Artikel, von denen 15 (36,6 Prozent) in der Zeitschrift „Medical Acupuncture“ erschienen sind. Deren Chefredakteur ist Richard Niemtzow, der Schöpfer der BFA. Fleckenstein kritisiert, dass in dieser Zeitschrift eine Handvoll Autoren regelmäßig Hypothesen aufstellen, die wissenschaftlich nicht untermauert sind. Es liege der Verdacht nahe, „dass der Hype um die BFA gewisse eminenzbasierte Züge trägt.“[4] Außerdem könne man die Untersuchungen, die überwiegend an Militärs gemacht wurden, nicht verallgemeinern.

Nachdem alle Studien ausgeschlossen worden waren, die das Team von Juan Yang bereits berücksichtigt hatte, blieben drei neuere Studien übrig, von denen nur eine in der „Medical Acupuncture“ erschienen ist. In allen Studien wurden die Patienten vor und direkt nach der Behandlung gebeten, ihre Schmerzintensität auf einer numerischen Ratingskala zu bewerten. Zwei der drei Studien belegen signifikante sofortige Effekte der BFA. In keiner Studie gab es einen signifikanten Langzeiteffekt (zwei Stunden bis sechs Monate nach der Intervention).

Fazit:
BFA ist nach aktuellen Erkenntnissen eine Methode für Notfallsituationen, in denen wenig Zeit ist und/oder viele Patient:innen Hilfe brauchen. Möglicherweise ändert sich die Bewertung der Langzeitanwendung, wenn es mehr methodisch hochwertige Studien von einem größeren Kreis von Autor:innen gibt.

Referenzen:
[1] Niemtzow RC. Battlefield Acupuncture. Med Acupunct. 2007; 19(4):225–228.

[2] Fleckenstein, J: Mythos Battlefield Akupunktur, in DZA2/2021, S. 123-126.

[3] Yang J, Ganesh R, Wu Q, Li L, Ogletree SP, Del Fabro AS, Wahner-Roedler DL, Xiong D, Bauer BA, Chon TY. Battlefield Acupuncture for Adult Pain: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Am J Chin Med. 2021;49(1):25-40. doi: 10.1142/S0192415X21500026. Epub 2020 Dec 29. PMID: 33375924.

[4] Fleckenstein, a.a.O. S. 124.

Bildnachweise:
Depositphotos/AGTCM

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Die sogenannte „Battlefield acupuncture“ (BFA) wurde 2007 für die schnelle und effektive Schmerzbekämpfung in der Notaufnahme eines Krankenhauses oder in Lazaretten entwickelt. Sie nutzt eine Auswahl von fünf Punkten der Ohrakupunktur, ist im Notfall schnell anzuwenden, hat geringe Nebenwirkungen, erfordert wenig Überwachung, wird von den Patient:innen gut angenommen und ist kostengünstig. Auch bei chronischen Schmerzen zeigen Studien ihre Wirksamkeit – u.a. zur Reduktion von Opioiden.

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