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AGTCM appelliert: Traditionelle Medizin wissenschaftlich prüfen statt pauschal ablehnen

Dortmund, 30.09.2026 - In einem Editorial kritisiert das British Medical Journal (BMJ) die neue WHO-Strategie zur traditionellen Medizin scharf. Unter dem Titel „WHO’s misguided push for complementary and alternative medicine“ werfen die Autor:innen der Weltgesundheitsorganisation vor, die Integration traditioneller und komplementärer Verfahren voranzutreiben, bevor deren Wirksamkeit und Sicherheit ausreichend belegt seien. Sie warnen vor zu niedrigen Evidenzstandards, möglichen Gesundheitsrisiken und einer wissenschaftlichen Aufwertung bislang unbewiesener Verfahren.

Die AGTCM hat dazu zusammen mit zahlreichen anderen TCM-Fachverbänden und -Instituten1 eine Stellungnahme herausgegeben. Darin verdeutlichen die Verbände, dass sie die Forderung nach wissenschaftlicher Prüfung und Patientensicherheit teilen, die Darstellung des BMJ jedoch für zu pauschal halten. Unterschiedliche Verfahren würden unter einem Sammelbegriff zusammengefasst, obwohl ihre Evidenz sehr unterschiedlich sei. Für Akupunktur bei chronischen Schmerzen etwa lägen zahlreiche Studien vor; sie werde auch in medizinischen Leitlinien berücksichtigt. Zudem zeige die Arzneimittelforschung, dass traditionelles Wissen Ausgangspunkt für wirksame moderne Therapien sein kann – prominentestes Beispiel sei der aus der Chinesischen Medizin hervorgegangene Malariawirkstoff Artemisinin.

„Traditionelle Medizin darf weder allein aufgrund ihrer langen Geschichte als wirksam gelten noch pauschal als unwissenschaftlich abgetan werden“, sagt Birgit Ziegler, 1. Vorsitzende der AGTCM. „Entscheidend ist, genau hinzusehen: Was nachweislich wirksam und sicher ist, sollte genutzt werden. Was noch nicht ausreichend untersucht ist, muss erforscht werden – und was sich als unwirksam oder schädlich erweist, gehört aussortiert.“

Aus Sicht der AGTCM bietet die WHO-Strategie gerade die Chance, traditionelle Medizin stärker zu erforschen, Qualitätsstandards zu schaffen und ihre Anwendung wirksam zu regulieren.

Weitere Informationen sowie die Stellungnahme der Fachverbände finden Sie auf der AGTCM-Website. 

  1. CTCA – Centrum für Therapiesicherheit in der Chinesischen Arzneitherapie, Societas Medicinae Sinensis, Internationale Gesellschaft für Chinesische Medizin e.V. (SMS), Österreichische Gesellschaft für Akupunktur (ÖGA), Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur e.V. (DÄGfA), Wissenschaftszentrum DÄGfA, Gesellschaft für die Dokumentation von Erfahrungsmaterial der Chinesischen Arzneitherapie (DECA), Association of Swiss Medical Societies for Acupuncture and Chinese Medicine (ASA), TCM Fachverband Schweiz, Klinik für Anästhesiologie, Anästhesie, Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin, Universitätsmedizin Greifswald, Department of Anesthesia, McMaster University, Hamilton, Canada, Department of Complementary Medicine, Sigmund Freud Universität (SFU) Wien 

Pressekontakt

AGTCM-Pressestelle
Juliane Papendorf
Telefon: +49 (0)176 - 10 30 51 87
E-Mail: papendorf(at)agtcm.de

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