28.07.2026
Eine chinesische Forschergruppe hat gezeigt, dass Akupunktur zusätzlich zur medikamentösen Behandlung von Alzheimer-Demenz die kognitiven Leistungen signifikant verbessert. Wie das Medikament Donepezil und Akupunktur im Gehirn wirken könnten, haben die Forschenden mithilfe funktioneller MRT-Diagnostik untersucht. Die Studie erschien kürzlich in der Fachzeitschrift Neuropsychiatric Disease and Treatment.[1]
60 an Alzheimer-Demenz Erkrankte wurden per Zufallsverfahren auf zwei Gruppen aufgeteilt. Beide Gruppen erhielten das Medikament Donepezil, das zur symptomatischen Behandlung der leichten bis mittelschweren Alzheimer-Demenz eingesetzt wird. Die Akupunktur-Gruppe wurde zusätzlich über sechs Wochen täglich (außer sonntags) mit Akupunktur behandelt.
Sie erhielten die Punktkombination Du 20, Sishencong (EX-HN1), He 7, Pc 6, Ma 36, Mi 6 und Gb 39 („Yizhi Tiaoshen“-Formel). Nach Erreichen des De Qi wurden die Nadeln an den ersten vier Punkten mit einer milden sedierenden und tonisierenden Technik stimuliert. Die Punkte Ma 36, Mi 6 und Gb 39 wurden jeweils eine Minute durch Heben, Senken und Drehen der Nadel stimuliert. Sie blieben 30 Minuten liegen, wobei die Nadeln nach einer Viertelstunde nochmals manipuliert wurden.
Die kognitive Leistung der Patient:innen wurde mithilfe der chinesischen Version des Montreal Cognitive Assessment–Basic (MoCA-B) evaluiert. Der Test prüft zehn Bereiche der geistigen Leistungsfähigkeit, darunter Planen und Problemlösen, Redefluss, Orientierung, Rechnen, Abstraktionsvermögen, verzögertes Erinnern, visuell-räumliches Erkennen, Benennen und Aufmerksamkeit. Insgesamt sind 30 Punkte möglich. Die Grenze für eine mögliche kognitive Beeinträchtigung hängt von der Schulbildung ab.[2]
Vor der Behandlung gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen der Akupunktur- und der Kontrollgruppe. Die durchschnittliche Punktzahl lag bei 13,3 bzw. 13,5 — Werte, die im Bereich einer leichten bis mittelschweren kognitiven Beeinträchtigung liegen. Nach der Behandlung kam es in beiden Gruppen zu kognitiven Verbesserungen. Das Medikament allein bewirkte eine Verbesserung von durchschnittlich 13,30 ± 3,14 auf 15,71 ± 3,72 Punkte. Hatten die Patient:innen zusätzlich Akupunktur erhalten, stieg die Punktzahl von durchschnittlich 13,50 ± 2,86 auf 16,81 ± 3,89. Das entspricht einem zusätzlichen Gewinn von etwas mehr als einem Punkt gegenüber der alleinigen Medikation.
Die Forschergruppe untersuchte anschließend mittels fMRT, welche Veränderungen im Gehirn durch die Behandlung nur mit Donepezil bzw. Donepezil plus Akupunktur auftraten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Donepezil die gestörte Vernetzung (Konnektivität) bestimmter Hirnregionen teilweise normalisieren kann, während Akupunktur die Konnektivität des frontoparietalen Netzwerks selektiv verändert. Insbesondere wird die funktionelle Kopplung zwischen Frontalhirn und Kleinhirn verbessert, um Sprach- und kognitive Verarbeitung zu unterstützen.
Auf dieser Grundlage vermuten die Autor:innen, dass die kombinierte Behandlung nicht nur symptomatische Effekte auf die Alzheimer-Demenz haben könnte, sondern auch mit messbaren Veränderungen bei der Vernetzung von Gehirnarealen verbunden ist. Praktisch bedeutet dies:
Die Studie liefert damit erste Hinweise darauf, dass Akupunktur als ergänzende Intervention bei Alzheimer-Demenz kognitive Leistung signifikant verbessert und dass dies mit messbaren Veränderungen in der Organisation der neuronalen Verknüpfungen im Gehirn zusammenhängt.
Referenz:
[1] Wei YT, Li L, Xie WT, Wang Y, Zhao YR, Zhang RZ, Ma L, Yan XK. Altered Effective Connectivity Within the Frontoparietal Network in Alzheimer's Disease and Its Modulation by Acupuncture: A Resting-State fMRI Study. Neuropsychiatr Dis Treat. 2026 Jun 13;22:601136. doi: 10.2147/NDT.S601136. PMID: 42318047; PMCID: PMC13274761.
[2] Je niedriger die Punktzahl, desto stärker ist die kognitive Beeinträchtigung. Bei bis zu 6 Schuljahren liegt die Grenze zur Demenz bei 19 Punkten oder weniger, bei 7 bis 12 Schuljahren sind es 22 Punkte oder weniger und bei mehr als 12 Schuljahren 24 Punkte oder weniger. Siehe: Weintraub S, Besser L, Dodge HH, et al. Version 3 of the Alzheimer disease centers’ neuropsychological test battery in the uniform data set (UDS). Alzheimer Dis Assoc Disord. 2018;32(1):10–17. doi:10.1097/WAD.000000000000022329
Bildnachweis:
envarto/AGTCM (Stefan Müller-Gißler)
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