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TCM-Rezeptur hemmt Entzündungen bei Koronarer Herzkrankheit

Die Rezeptur Taoren Honghua Jian (THJ) wird in der TCM traditionell bei Patient:innen mit stabiler koronarer Herzkrankheit (KHK) und der Diagnose „Qi-Stagnation und Blutstase“ eingesetzt. Wie Forschende aus Shanghai jetzt herausgefunden haben, scheint THJ nicht nur symptomatisch zu wirken, sondern auch „sterile“ Entzündungsprozesse messbar zu dämpfen.[1]

Chronische Entzündung als pathophysiologischer Hintergrund

Subklinische chronische Entzündungen können langfristig eine Vielzahl von Erkrankungen begünstigen, darunter Zivilisationskrankheiten wie Typ-2-Diabetes, Arteriosklerose oder Gicht, aber auch Krebserkrankungen. Die Entzündungen sind über Jahrzehnte symptomfrei, verursachen aber fortlaufend Schäden im Gewebe, die sich mit zunehmendem Alter bemerkbar machen. Treiber der Entzündungen sind unter anderem Makrophagen, spezielle Fresszellen des angeborenen Immunsystems.

Makrophagen schütten nach ihrer Aktivierung entzündungsfördernde Botenstoffe, die Zytokine, aus. Sie tun dies unabhängig davon, ob es sich um äußere Pathogene oder um geschädigtes Gewebe handelt. So lösen die bei der koronaren Herzkrankheit abgelagerten Cholesterinkristalle und oxidativer Stress ebenfalls Entzündungsreaktionen aus. Sie werden als sterile Entzündungsprozesse bezeichnet, weil die Immunzellen auf körpereigene Reize reagieren. Sterile Entzündungen gezielt zu unterdrücken ohne die Abwehr gegen äußere Pathogene zu schwächen, ist ein hochaktuelles Forschungsgebiet der Pharmazie.[2]

KHK: Das NLRP3-Inflammasom im Fokus

Bei KHK steht das sogenannte NLRP3-Inflammasom im Fokus. Es handelt sich um einen Proteinkomplex im Zytosol (Zellsaft) der Makrophagen, der sich erst bildet, wenn die Zelle durch Plaques oder oxidativen Stress in Alarmbereitschaft versetzt ist. Offenbar sind Wirkstoffe aus der Rezeptur Taoren Honghua Jian in der Lage, die Entzündungskaskade in diesem speziellen Inflammasom zu dämpfen. Das haben Forschende aus Shanghai in einer multizentrischen, doppelt verblindeten, randomisierten Placebo-Studie mit 120 Patient:innen herausgefunden. Sie konnten zeigen, dass THJ nicht nur Beschwerden wie Brustschmerz und -enge bei Angina Pectoris lindert, sondern auch die Entzündungsreaktion dämpft.

Klinische Anwendung von Taoren Honghua Jian

Taoren Honghua Jian (THJ) ist eine alte Rezeptur aus den Su’an Consilien, die traditionell dazu verwendet wird, die Qi-Dynamik wieder herzustellen und Blutstase zu lösen. In chinesischen Kliniken wird die Rezeptur KHK-Patient:innen mit den folgenden charakteristischen Symptomen routinemäßig verordnet:

  • Fixierter, bohrender Schmerz in der Brust
  • Dunkle, livide Zunge
  • Drahtiger, rauer Puls

Die Behandlungsdauer beträgt, je nach Schwere der Symptome, zwischen 4 und 12 Wochen. In früheren Studien war bereits nachgewiesen worden, dass sich die Angina Pectoris-Symptome unter Einnahme der Rezeptur verbessern und die Notfallmedikation mit Nitroglycerin seltener benötigt wird. Allerdings war bisher nicht untersucht worden, ob die Rezeptur auch eine Wirkung auf die sterilen Entzündungen in den Herzkranzgefäßen und Blutgefäßen haben. Das hat das Forscherteam aus Shanghai nun untersucht.

Klinische Studie zu Taoren Honghua Jian

In einer multizentrischen, randomisierten, doppelblinden Placebo-Studie mit 120 Patient:innen untersuchte ein Forschungsteam aus Shanghai die Wirkung von THJ.

Eingeschlossen wurden ausschließlich Patient:innen mit stabiler KHK. Zur Bewertung der Therapieeffekte wurden folgende Instrumente verwendet:

  • TCM-Syndromscore 
  • Seattle Angina Questionnaire (SAQ) 
  • Analyse peripherer mononukleärer Blutzellen (Vorläufer von Makrophagen) 
  • Bestimmung entzündungsrelevanter Parameter im Plasma

Die Ergebnisse zeigen:

  • Signifikante Verbesserung von Angina-pectoris-Symptomen (z. B. Brustschmerz und Engegefühl) 
  • Steigerung der Lebensqualität 
  • Reduktion der Aktivität zentraler Entzündungswege, insbesondere des NLRP3-Inflammasoms 

Die Effekte traten bereits nach vierwöchiger Einnahme auf und waren stärker ausgeprägt als unter Placebo.

Wissenschaftliche Einordnung

Die Autor:innen vermuten, dass THJ nicht nur allgemein entzündungshemmend wirkt, sondern schon zu Beginn der Signalkaskade der Entzündungsreaktion eingreift. Konkret konnten sie zeigen, dass die Einnahme von THJ mit sinkenden NLRP3-, ASC-, Caspase-1-, IL-1β- und IL-18-Werten in den peripheren mononuklearen Blutzellen einhergeht. Das bedeutet, es kommt zu einer abgeschwächten Aktivierung des Inflammasoms und der nachgeschalteten Zytokinfreisetzung. Für einzelne Inhaltsstoffe in Dang Shen (Salvia miltiorrhiza), Tao Ren (Prunus persica) und Hong Hua (Carthamus tinctorius) ist die antientzündliche Wirkung bereits in früheren Studien nachgewiesen worden.

Was die Studie besonders interessant macht, ist, dass sie eine Brücke zwischen traditioneller klinischer Erfahrung in der TCM und der modernen Entzündungsbiologie schlägt. Damit ist die Voraussetzung für eine evidenzbasierte integrative Versorgung von Patient:innen mit stabiler Angina Pectoris geschaffen.

Die Rezeptur Taoren Honghua Jian

Dosierung in der Studie: 1 Paket Granulat a 18,3 g, aufgeteilt auf 2 Portionen, die in jeweils 150 ml heißem Wasser aufgelöst werden.

Referenz:
[1] Du M, Feng X, Zhang N, Mao M, Du L, Yang Y, Zhang Y, Li S, Wang J, Chang X, Ding J, Liu P, Zhang Y, Wang Y. Taoren Honghua Jian Regulate NLRP3 Inflammasome of Coronary Artery Disease Patients: A Multi-Center, Double-Blind, Randomized Controlled Trial. Vasc Health Risk Manag. 2026 Apr 14;22:569054. doi: 10.2147/VHRM.S569054. PMID: 42004177; PMCID: PMC13091629.
[2] https://www.pharmazeutische-zeitung.de/neues-target-bei-vielen-erkrankungen sowie https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/neu-entdeckte-wirkstoffe-aktivieren-das-inflammasom-makrophagen.

Bildnachweis:
Depositphotos/AGTCM

Dr. Anne Hardy

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