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TCM bei Verletzungen im Breitensport

Bewegung und Sport gehören zu einem gesunden Lebensstil. Gleichzeitig sind sie mit einem gewissen Verletzungsrisiko verbunden. In China werden Patient:innen dazu angeleitet, den Heilungsprozess zu unterstützen, indem sie zuhause Moxibustion, Schröpfen und Massage anwenden. Das ist kostengünstig, effektiv und mit geringen Nebenwirkungen verbunden.

Die Chinesischen Medizin beschreibt Sportverletzungen als „Verletzung der Muskeln und Sehnen“. Durch Blockaden in Leitbahnen und Blutgefäßen kommt es zu plötzlichem Krampfen, Schwellungen und Schmerzen. Entsprechend ist die Therapiestrategie, Krämpfe zu lösen, Schmerzen zu lindern, Blutstase zu lösen und Blut zu bewegen.

Moxibustion

Bei dieser traditionellen chinesischen Methode wird Beifußkraut zu Zigarren gepresst, angezündet und die glühende Spitze über Akupunkturpunkten bewegt – so nah an der Hautoberfläche, dass die Hitze gerade noch erträglich ist. Dabei gelangt Wärme in die tieferen Hautschichten, was die Symptome lindert und die Funktion verbessert. In der TCM gilt Beifuß als das Kraut, das Qi in allen 12 Leitbahnen bewegt. Es tonisiert das aufrechte Qi (Zhong Qi), so dass dieses Pathogene wie Wind und Kälte vertreibt, das Qi in den Leitbahnen stärkt und damit Schwellungen und Schmerzen reduziert. 

Aus Sicht der modernen Medizin besteht der heilsame Effekt der Moxibustion darin, dass beim Entzünden des Beifußkrauts flüchtige ätherische Öle sowie Wärmestrahlung im nahen Infrarotbereich freigesetzt werden. Die Wärme dringt bis zu 10 Millimeter tief in die Haut ein. Der Körper nutzt die absorbierte Energie unter anderem für Stoffwechselprozesse, die Immunreaktion und die Zellregeneration.[1] Das beschleunigt die Wundheilung und kleine Blutgefäße wachsen im verletzten Gewebe schneller nach.

Am häufigsten wird Moxibustion als ergänzende Therapie bei chronischen Schmerzen und zur Rekonvaleszenz eingesetzt. In ihrer Literatur-basierten Übersicht führen Zhang und Kolleg:innen von der Guangzhou University of Chinese Medicine folgende Indikationen für die Moxibustion auf: chronische Knieschmerzen durch Arthritis, Verletzung der kollateralen Bänder an den Fingergelenken, Verletzung der kollateralen Bänder am Kniegelenk sowie akuter Tennisellenbogen.[2] In der chinesischen Bevölkerung wird Moxa außerdem zur Prävention genutzt.

Tuina und andere Massagetechniken

Tuina und andere Massagetechniken haben in der Sportmedizin zunehmend an Bedeutung gewonnen. Massage reduziert Schmerzen und hilft verletztem Muskelgewebe, Bändern und Sehnen zu heilen. Unter dem äußeren Druck lockert sich nicht nur verkrampftes Gewebe. Die sensorische Stimulation durch Berührung und Wärme der massierenden Hände reguliert zusätzlich das Nerven-, Hormon- und Immunsystem. Studien haben gezeigt, dass durch Massage Endorphine (körpereigene Opioide) und Neurotransmitter wie Acetylcholin, Serotonin und Katecholamine (darunter Dopamin) ausgeschüttet werden.[3] Die Chinesische Medizin führt die Wirkung von Massage darauf zurück, dass Qi und Blut reguliert und die Meridiane und Kollateralen befreit werden. 

In der Sportmedizin wird Massage vor allem bei chronischen Beschwerden sowie in der Rekonvaleszenz eingesetzt, etwa bei Entzündungen, verzögerter Heilung, mangelnder Durchblutung oder ödematösem Gewebe. Wie bei der Moxibustion handelt es sich um eine Therapie, die als Teil eines multimodalen Ansatzes eingesetzt wird. 

Indikationen, bei denen Massage in Studien positiv bewertet wurde, sind: Knie-Osteoarthritis, Bandscheibeninstabilität und Plantarfasziitis. Auch nach einer operativen Kreuzbandrekonstruktion verbessert sich die Stabilität und Funktion des Kniegelenks durch Massage. In einer chinesischen Studie wurde das Knie zusätzlich mit einem verdampften Dekokt aus Hai Tong Pi (Cortex Erythrinae, vertreibt Wind und Feuchtigkeit) behandelt. Die Ergebnisse waren ebenso gut wie bei konventioneller Rehabilitation mit isometrischem Muskeltraining.[4]

Im Leistungssport gibt es zwei weitere wichtige Vorteile von Massagen. Zusammen mit einer verbalen Motivation kann sie vor dem Wettkampf Anspannung reduzieren. Nach einem Wettkampf empfiehlt es sich, durch Massage Muskelspannungen zu lösen, die Regeneration zu fördern und Verletzungen vorzubeugen. Der beste Zeitpunkt ist nach einem warmen Bad oder vor dem Schlafengehen. Bei den Olympischen Spielen in Atlanta 1996 wurden Massagen erstmals Teil der offiziellen medizinischen Versorgung.

Schröpfen

Bei den Olympischen Spielen 2016 erregten kreisrunde, rot gesprenkelte Male auf dem Rücken des Schwimmers Michael Phelps Aufmerksamkeit. Sie erinnerten an eine 2300 Jahre alte traditionelle Heilmethode, die weltweit verbreitet ist, insbesondere in China, Korea, Japan, Saudi Arabien und Ägypten.

Durch den Unterdruck, der im Schröpfglas erzeugt wird, werden Haut und Unterhautgewebe angesaugt. Die Stelle wird aufgrund der erhöhten Durchblutung rot und warm. Zusätzlich gibt es kleine Einblutungen an den verspannten, verhärteten Stellen.

Aus Sicht der Chinesischen Medizin hat Schröpfen vielfältige Funktionen: es fördert den Qi-Fluss, bewegt Blut und löst Blutstase, vertreibt Kälte, eliminiert Feuchtigkeit und lindert Schmerzen. Die westliche Medizin schreibt ihre Wirkung ebenfalls der erhöhten Durchblutung der Haut zu. Außerdem fördert der Unterdruck die Hämolyse (die Auflösung roter Blutkörperchen), wodurch die Histaminproduktion steigt und die physiologische Funktion des Gewebes verbessert wird. 

Guo und Kolleg:innen von der Tianjin University of Traditional Chinese Medicine vertreten die Theorie, dass durch Schröpfen wie bei der Akupunktur die Mikro-Umgebung der Nadel oder des geschröpften Gewebes verändert wird, wodurch Signalwege des neuro-endokrinen Immunsystems aktiviert werden.[5] Dies könnte die schmerzlindernde Wirkung von Akupunktur und Schröpfen bei Sportverletzungen erklären. Schröpfen kann auch bei Wettkämpfen als Soforthilfe eingesetzt werden, um Krämpfe, Schwellungen und Schmerzen zu lindern. 

Fazit:
Moxibustion, Massage und Schröpfen sind kostengünstige, leicht anwendbare und schnell wirksame Methoden, die Patient:innen nach Anleitung auch selbst anwenden können. Es gibt wissenschaftliche Evidenz dafür, dass sie als Teil einer multimodalen Schmerztherapie hilfreich sind. Damit diese auch Eingang in die Leitlinien finden, regen die Autor:innen der Übersicht an, mehr qualitativ hochwertige Studien zu Moxibustion, Schröpfen und Massage zu machen.

Referenz:
[1] G. Jiang, P. Liu, A. Peng et al., “Application of traditional Chinese medicine health care technology in sports rehabilitation,” Contemporary Sports Technology, vol. 7, no. 11, p. 17 + 19, 2017.
[2] Zhang H, Zhao M, Wu Z, Wang X, Jiang Y, Liang J, Chen H. Effects of Acupuncture, Moxibustion, Cupping, and Massage on Sports Injuries: A Narrative Review. Evid Based Complement Alternat Med. 2022 May 28;2022:9467002. doi: 10.1155/2022/9467002. PMID: 35668787; PMCID: PMC9167071.
[3] G. C. Goats, “Massage—the scientific basis of an ancient art: Part 2. Physiological and therapeutic effects,”British Journal of Sports Medicine, vol. 28, no. 3, pp. 153–156, 1994
[4] Min ZH, Zhou Y, Jing L, Zhang HM, Wang S, Chen WH, Chen PQ. [Case-control study on Chinese medicine fumigation and massage therapy for the treatment of knee stability and func tional recovery after anterior cruciate ligament reconstruction operation]. Zhongguo Gu Shang. 2016 May;29(5):397-403. Chinese. PMID: 27505953.
[5] Guo Y, Chen B, Wang DQ, Li MY, Lim CH, Guo Y, Chen Z. Cupping regulates local immunomodulation to activate neural-endocrine-immune worknet. Complement Ther Clin Pract. 2017 Aug;28:1-3. doi: 10.1016 j.ctcp.2017.04.005. Epub 2017 Apr 13. PMID: 28779915.

Bildnachweis:
Depositphotos/AGTCM

Dr. Anne Hardy

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