03.12.2025
Die Plantarfasziitis (Fersenspornsyndrom) ist eine häufige Ursache für Fersenschmerzen, oft bei Menschen, die lange stehen oder gehen. In der Schulmedizin werden zunächst nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und Physiotherapie verschrieben. Die Zweitbehandlung vor einer Operation umfasst die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT), die ultraschallgesteuerte (USG) Therapie und die Kortikosteroidinjektion (CSI). Ein neueres Verfahren, das noch erprobt wird, ist die Injektion von plättchenreichem Plasma (PRP) (siehe Infokasten).
PRP steht für Platelet Rich Plasma, deutsch: Plättchenreiches Plasma. Es wird durch die Entnahme von Patientenblut und darauffolgende mehrfache Zentrifugation hergestellt. Dadurch werden Blutplättchenarmes Plasma und rote Blutkörperchen abgetrennt. Zurück bleibt ein Plasma mit einer hohen Dichte an Wachstumsfaktoren und Zytokinen. PRP-Injektionen wird eine regenerationsfördernde Wirkung auf das Gewebe zugeschrieben. Es soll die Synthese von Kollagen und Elastin anregen. Eine klare Evidenz (d.h. mehrfach durch Metaanalysen und hochwertige RCTs belegt) besteht nur für die Kniearthrose (eingeschränkt) und für Tennisellenbogen.[1]
In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gilt die Erkrankung als Fersenschmerz durch Qi-Stagnation und Blutstase in den Leitbahnen von Blase und Niere oder als Nieren-Qi-Schwäche.[2] Andere Autor:innen geben zusätzlich an: Leber-Blut-Leere, Leber-Qi-Stagnation und pathogene Hitze, die sich aufgrund der Qi- und Blutstagnation entwickelt.[3]
Forscher:innen aus Malaysia untersuchten 2024 in einer Netzwerk-Metaanalyse verschiedene nicht-operative Behandlungen, um sie miteinander zu vergleichen – darunter Akupunktur, extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT), Kortison- und PRP-Injektionen.[4] Von 1258 gesichteten Studien wurden 32 eingeschlossen, darunter drei Akupunkturstudien. In allen drei Studien wurde Akupunktur gegen Placebo untersucht.
Nach einem Monat zeigte Akupunktur die stärkste Schmerzreduktion von allen Behandlungen. Überprüft wurde der Behandlungserfolg anhand der visuellen Analogskala (VAS), auf der Patient:innen die Schmerzintensität von 1 bis 10 bewerten können. Bei der Akupunktur nahm der Schmerz durchschnittlich um etwa 1,3 Punkte mehr ab als unter Placebo-Behandlung.
Nach drei Monaten, also in der Regel zwei Monate nach Abschluss der Behandlung, zeigten die PRP-Injektionen die stärkste Schmerzreduktion (im Mittel um 2,67 Punkte). Danach folgten Kortikosteroid-Injektion (Minus 1,84 Punkte), Stoßwellentherapie (Minus 1,82 Punkte) und Akupunktur (Minus 1,42).
Die Autor:innen weisen jedoch darauf hin, dass die Konfidenzintervalle sich stark überlappten. Das heißt: Es gab keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den Behandlungen.
Folglich empfehlen die Autor:innen Akupunktur als sichere und wirksame Zweitbehandlung bei Plantarfasziitis. Insbesondere in Kombination mit Elektro- und Nadelmoxa bietet sie eine effektive, sichere und kostengünstige Option, wenn die Basistherapie (Einlagen, Schmerztherapie, Physiotherapie etc.) keine wesentliche Besserung bringt.
Referenz:
[1] Siehe dazu: Jonathan Häußler: PRP und ACP in Sportärztezeitung: https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/6359/prp-und-acp/
[2] Hu JS: Acupuncture treatment of heel pain . J Tradit Chin Med. 2009, 29:150-2. 10.1016/s0254-6272(09)60053-4.
[3] Birgit Ziegler, Sabine Ritter: Bi-Syndrome in der Chinesischen Medizin. Syndromdifferenzierung und integrative Therapie. Verlag Müller & Steinicke: Müchen 2022, S.153 und S. 162.
[4] Asokumaran I et al. (2024). Comparative Effectiveness of Acupuncture Versus Non-surgical Modalities for Treating Plantar Fasciitis: A Network Meta-Analysis. Cureus 16(9): e68959. DOI: 10.7759/cureus.68959.
[5] Efficacy of electroacupuncture plus warm needling therapy for plantar heel pain (Acupunct Med. 2021; 39:283–291)
[6] Treatment of plantar fasciitis in recreational athletes: two different therapeutic protocols (Foot Ankle Spec. 2011; 4:226–234)
[7] Efficacy of electro-acupuncture in chronic plantar fasciitis: a randomized controlled trial (Am J Chin Med. 2012; 40:1167–1176).
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Dr. phil. Anne Hardy betreut im erweiterten Vorstand der AGTCM den Bereich „Medizinische Wissenschaft“. Die studierte Physikerin und promovierte Medizinhistorikerin arbeitete als freie Journalistin, bevor sie zur Chinesischen Medizin fand. In ihrer Praxis in Frankfurt am Main behandelt sie vor allem gynäkologische Beschwerden und Paare mit unerfülltem Kinderwunsch.
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