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Chinesische Medizin bei Erkältung und zur Stärkung des Immunsystems in der kalten Jahreszeit.

Gerd Wiesemann, Rheinbach

„Ob im Winter zum Schutz gegen Wind und Wind-Kälte,
im Frühling zum Schutz gegen Wind-Hitze,
ob im Sommer bei Sommerhitze, Sommerhitze-Feuchtigkeit und Wind-Feuchtigkeit,
oder im Herbst bei Wind Trockenheit,
es ist die Kraft unseres Körpers, das zheng qi, das uns vor Krankheit bewahrt.“

Ist unser zheng qi schwach oder blockiert und wir werden krank, dann benötigen wir das therapeutische Stechen und Brennen, die Hilfe von Kräutern oder die Unterstützung durch eine entsprechende Ernährung.
 

Wind ist Ursache und Beginn aller Arten von Krankheiten, sagt das Huang Di Nei Jing. Wind ist von Natur aus leicht, beweglich und rege, bedingt vielfältige Veränderungen, erreicht und beeinflusst die verschiedenen Körperareale. Das zheng qi, insbesondere das wei qi, funktioniert wie Wachsoldaten und Grenzwächter, um ein Eindringen von Wind zu verhindern. Ist die Energie ausreichend, werden die Außengrenzen entsprechend den Erfordernissen geöffnet oder geschlossen, Ein- und Ausgänge überwacht, um ein Eindringen äußerer Pathogene zu verhindern.

Wind ist nicht nur ein Pathogen, das eindringt, Wind ist auch der Mechanismus, der die Schranken öffnet, Tür und Tor aufreißt und ein ungehindertes Eindringen von Pathogenen ermöglicht. Daher benötigen wir die diaphoretische Wirkung, durch Schröpfen, Schaben, Nadeln und Wärmen.

Der scharfe Geschmack von Nahrung und Kräutern kann dabei das wei qi an die Oberfläche bringen und die liu xie (sechs Pathogene) vertreiben und vor einem Eindringen der pathogenen Faktoren schützen. Der scharfe Geschmack kann aber bei falschem Einsatz oder übermäßigem Gebrauch von innen her die Oberfläche ungeplant öffnen, ying und wei schwächen und einen ungebremsten Einlass provozieren.

yu ping feng san* kräftig das zheng qi, aktiviert und kontrolliert das wei qi, um die Zwischenräume und Poren zu stabilisieren und zu regulieren. Ähnlich wirkt bu zhong yi qi tang* das zudem die Mitte kräftigt und das yang qi hebt.

sheng jiang, gan cao, da zao reguliert und harmonisiert mit scharfem und süßem Geschmack auf sanfte Weise „wei und ying“ sowie biao (das Außen bzw. die Oberfläche) und li (Innen).

Cong bai, dou chi, sheng jiang, da suan, mian, tang, eine Nudelsuppe mit scharfem Geschmack, schmeckt nicht nur hervorragend, sondern wirkt prophylaktisch und vertreibt Wind und Kälte, die Krankheit bedingen. Cheng Zongling benutzt gerne Rezepturen mit zi su ye. Auf Basis von xiang su san* entwickelt er die Rezeptur jia wei xiang su san*. Diese Rezepturen sind milde, sicher und trotzdem wirkungsvoll.

Aber Vorsicht mit gui zhi tang* und Rezepturen mit ma huang. Diese Rezepturen sollten nicht leichtfertig verordnet werden! Gui zhi tang* kann bei fehlendem Schwitzen, Fieber und Hitze verstärken und Rezepturen mit ma huang können zu übermäßigem Schwitzen führen und dadurch die jin ye’s schädigen. In diesem Fall ist jing fang bai du san* sicherer und leicht zu modifizieren.

Erkältungs-Symptome mit Kopfschmerzen

Gehen die Erkältungs-Symptome besonders mit Kopfschmerzen einher, ist chuan xiong cha tiao san* indiziert. Bei Wind-Hitze kann die Rezeptur mit ju hua zu ju hua cha tiao san* modifiziert werden. Bei schmerzhaftem steifen Nacken wird durch Hinzufügen von ge gen aus der Rezeptur ma huang tang*, ge gen tang* und aus der Rezeptur gui zhi tang* wird gui zhi jia ge gen tang*. Ge gen lässt sich aber auch an andere Rezepturen anhängen. Wird cang er zi san* den genannten Rezepturen hinzugefügt, lindert man eine laufende und verstopfte Nase und shi chang pu öffnet die Sinne.

Husten und Kurzatmigkeit

Stehen Lungen-Symptome im Vordergrund, quälen Husten und Kurzatmigkeit den Erkrankten, dann helfen Modifizierungen der oben genannten Rezepturen mit xing ren oder jie geng, aber auch qian hu, bai qian, zi wan und bai bu können von Nutzen sein. Erzeugt Wind und Kälte Asthma, ist präpariertes ma huang sicherlich die erste Wahl, aber bedenke die möglichen Komplikationen.

Wenn sich das Kälte Pathogen in Hitze wandelt, oder Wind Hitze direkt angreift, dann achte auf die jin ye. Scharf, heiße und stark schweißtreibende Kräuter können dann zur Gefahr werden, sagt Ye Tianshi.

Hilfe bei Wind-Hitze und allergischen Symptomen

Milde Kräuter und Rezepturen vertreiben Wind und Hitze und bewahren die Säfte. Sang ju yin* hilft nicht nur gegen Wind-Hitze, sondern auch bei, durch Pollenflug bedingte, tränenden und juckenden Augen, laufender Nase, kitzelndem Gaumen und fortwährendem Niesen.

Bei einem roten, entzündeten und schmerzhaften Rachen ist es hilfreich, die Wind-Hitze-Toxine mit yin qiao san* und seinen Variationen zu behandeln.

Im Herbst, wenn Trockenheit die Schleimhäute reizt, vertreibt sang xing tang* Wind, Hitze und Trockenheit. Bei Wind-Kälte und Trockenheit dagegen hilft xing su san*.

Bei Abneigung gegen Kälte, Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerz, Druck und Völle in der Brust, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Geschmacksverlust sowie Müdigkeit und Trägheit, verursacht durch Kälte und Feuchtigkeit im biao und li (siehe oben), benutze huo xiang zheng qi tang*.

Generell sollten Nahrungsmittel, Kräuter und Rezepturen entsprechen der Differenzierung ausgewählt und in Übereinstimmung mit den Jahreszeiten und den klimatischen Bedingungen angepasst werden, so wird die Therapie die Wirkung nicht verfehlen.

*
yu ping feng san (Jade Windschutzpulver)
bu zhong yi qi tang (Dekokt, das die Mitte tonisiert und das Qi vermehrt)
xiang su san (Cyperi Rhizoma und und Perillae Folium Pulver)
gui zhi tang (Cinnamomi Ramulus Dekokt)
gui zhi jia ge gen tang (Cinnamomi Ramulus und Puerariae Radix)
ma huang tang (Ephedrae Herba Dekokt)
ge gen tang (Puerariae Radix Dekokt)
chuan xiong cha tiao san (Chuan xiong Rhizoma Pulver, das man mit grünem Tee einnimmt)
ju hua cha tiao san (Ju hua Chrysanthemi Flos Pulver, das man mit grünem Tee einnimmt)
cang er zi san (Xanthii Fructus Pulver)
jing fang bai du san 
 (Schizonepetae Herba und Saposhnikovia Radix Pulver zur Überwindung pathogener Einflüsse)
sang ju yin (Mori Folium und Chrysanthemi Flos Dekokt)
yin qiao san (Lonicerae Flos und Forsythiae Fructus Pulver)
sang xing tang (Mori Folium und Armeniacae Semen Dekokt)
xing su san (Armeniacae Semen und Perillae Folium Pulver)
huo xiang zheng qi tang (Agastasches Herba Pulver, das das Qi korrigiert)

Die einzelnen Kräuter und Rezepturen sind nachzulesen und zu erarbeiten in:

Bensky et al. 2004, Materia Medica, Eastland Press, Inc. Seattle, W.A 3rd Edition
Dan Bensky ed.al. 2009, Formula & Strategies, Eastland Press, Inc. Seattle, 2nd Edition

Chen et al., Chinesische Pharmakologie I ( 2012), Verlag Systemische Medizin AG, Kötzting/München
Chen et al., Chinesische Pharmakologie II (2014), Verlag Systemische Medizin AG, Kötzting/München

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