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Aus der Haut fahren… - Was Hauterkrankungen mit unserem Verdauungssystem zu tun haben

Dr. Claudia Nichterl, Wien

Manchen Menschen ist zum „aus der Haut fahren“ und juckende Haut, Rötungen oder Entzündungen zeigen diesen innerlich „kochenden“ Zustand an. Ein ganzheitlicher Blick auf die komplexen Zusammenhänge erklärt, was Hauterkrankungen mit unserem Verdauungssystem zu tun haben und wie mit Ernährung Abhilfe möglich ist.

Nach der TCM und dem Modell der 5 Wandlungsphasen gehört die Haut zum Element Metall und zum Funktionskreis Lunge/Dickdarm.

Der Zustand der Haut ist auch vom Zustand des Blutes abhängig und demnach von der Produktion von Qi in der Milz und der Leber beeinflusst. Letzteres finden wir bei Blut-Hitze oder Blut-Stase oder trockener Haut durch Leber-Blut-Mangel. Juckreiz ist in der Regel eine Hitze-Störung, häufig in Kombination mit äußeren pathogenen Faktoren wie Wind, Nässe, Trockenheit und Hitze.

Einige Beispiele: 
Akne hat meist einen Bezug zur Leber (auch hormonell bedingt), trockene Haut entsteht durch Trockenheit (Yin Mangel). Die Niere ist die Wurzel aller Yin Organe – Lunge, Leber, Herz und Milz – Im Mangel entsteht Trockenheit und die Tendenz zur Hitze. Wenn dann auch noch die Milz zu schwach ist, die ja im 5-Elemente-Zyklus die Mutter vom Metall (Lunge/Dickdarm) ist, dann wird das Kind nicht ausreichend versorgt. Die wichtigsten Hautsymptome bei Hitze sind rote Pickel, Rötungen, Entzündungen. Wenn Feuchtigkeit dazu kommt, sind die Pickel mit Flüssigkeit gefüllt und bei Schleim finden wir Eiter in den Pickeln.

Innere Disharmonien, emotionale Belastung, Schlafmangel

Innere Disharmonien haben ebenfalls eine Auswirkung durch Qi-Stagnation oder Hitze durch Yin Mangel, der durch starke emotionale Belastungen sowie unzureichende Schlaf- und Ruhephasen verstärkt wird. Po – der Geist vom Funktionskreis Lunge – ist sensibel. Die Lunge wird von Trauer und Kummer belastet, ständiges Grübeln und sich Sorgen machen schwächt die Milz und den Magen, bei Stress und Zorn reagiert die Leber und blockiert den Qi-Fluss. Häufig ist bei Hautkrankheiten der Kontakt oder auch die notwendige Abgrenzung gestört. Betroffene sind oft überempfindlich oder setzen zu wenig Grenzen. Was juckt mich? Was brennt innerlich? Wo sollte ich mich abgrenzen, damit ich ohne Hautproblem genug Abstand habe? Was bringt mich zum „aus der Haut fahren“, all das sind wichtige Frage für die psychosomatische Ebene.

Haut und Darm: Unsere Grenzflächen nach außen

Die Haut ist ein Spiegelbild über dem Gesamtzustand des Körpers, des Stoffwechsels, sie reagiert bei Nährstoff-Mangelzuständen und bei Allergien und Unverträglichkeiten. Unsere Haut ist eine wichtige Grenzfläche zur Umwelt – ebenso der Darm. Mit einer Gesamt-Oberfläche von ca. 400 m2 ist die Darmschleimhaut die Grenzfläche nach außen. Wenn wir essen, durchlaufen die Nahrungsbestandteile innerhalb einer in sich geschlossenen Röhre den Weg durch unseren Körper. Der Eingang ist der Mund, der Ausgang ist der After, und Nahrung, die sich durch diese Röhre bewegt ist per se einmal ein Fremdkörper. An der Darmschleimhaut wird entschieden, was in den Körper hineindarf und was nicht, immer öfter kommt es zu heftigen Immunreaktionen. Diese Überreizung des Immunsystems zeigt sich beispielsweise durch allergische Reaktionen oder Unverträglichkeiten auf der Haut. Mit etwa 2 m2 ist die Haut die Grenzfläche zur Umwelt, sie reguliert die Körpertemperatur, dient als Atmungs- und Ausscheidungsorgan, vermittelt Sinneswahrnehmungen, wirkt immunologisch bei der Abwehr von Krankheitserregern und dient zum Ausdruck unserer Gefühle.

Ziele einer ganzheitlichen Therapie

Wenn beide Grenzflächen – innerlich der Darm, äußerlich die Haut – überlastet sind, dann sind chronische Hautprobleme sehr belastend. Eine ganzheitliche Therapie beginnt an der Wurzel mit folgenden Zielen:

  • Die Mitte stärken, damit im Funktionskreis Milz/Magen wieder ausreichend Qi gebildet werden kann.
  • In der Folge wird die Blutbildung unterstützt und das Yin genährt, wodurch die Trockenheit reduziert wird.
  • Entspannung der Leber durch aromatische, milde Gewürze und Kräuter fördern, um der Qi-Stagnation entgegen zu wirken, gleichzeitig empfiehlt es sich, das Leberblut zu nähren.

Wer jetzt so richtig motiviert ist und ein einfaches Konzept sucht, der kann mit einzelnen Getreide-Tagen rasch Entlastung finden. 1 Woche Getreidekur reduziert die Hitze, beseitigt Trockenheit, nährt das Blut, entstaut die Leber und stärkt die Mitte (Milz und Darm).

Wer jetzt so richtig motiviert ist und ein einfaches Konzept sucht, der kann mit einzelnen Getreide-Tagen rasch Entlastung finden. 1 Woche Getreidekur reduziert die Hitze, beseitigt Trockenheit, nährt das Blut, entstaut die Leber und stärkt die Mitte (Milz und Darm).

Getreidekur nach TCM – so geht´s:

  • Dauer der Kur: mindestens 3, maximal 12 Tage
  • Entscheiden Sie sich für eine Reis- oder Getreidesorte (Gerste, Basmati, Hirse, Buchweizen...).
  • Essen Sie 3-4x täglich dieses gekochte Getreide bzw. den Reis (ca. 150 g Trockengewicht) mit gedünstetem Gemüse (so viel Sie möchten) oder Obst (max. ½ kg)
  • Tipp: Getreide lässt sich gut für 2-3 Tage vorkochen, z. B. als Congee (1 Tasse Naturreis mit 10 Tassen Wasser für 1,5 Stunden kochen), Gemüse oder Obst am besten immer frisch zubereiten!
  • Gemüsesorten: Gemüse der Saison, Wurzelgemüse, chlorophyllhaltiges grünes Gemüse, bittere Gemüsesorten wie Endivie und Chicoree, Karotten/Möhren, Kohlrabi, Chinakohl, Radicchio, Fenchel, Brokkoli, frischer Löwenzahn, Brennnesselblätter, Rettich- und Radieschen, Kresse, Petersilie, Bärlauch
  • Obst: kurz gedünstet, z. B. Apfelkompott, Apfelmus, Birnenkompott, Grapefruit
  • Ergänzen Sie die Mahlzeiten mit 1 EL Öl (Leinöl, Olivenöl, Sesamöl, Kürbiskernöl, Hanföl...) dazu, 1 x täglich auch 30 g Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Nüsse oder Sesamsamen
  • Bei Hungergefühl: Bohnen, Linsen oder Tofu in den Speiseplan mit aufnehmen.
  • Würzen mit frischen Kräutern und Gewürzen, Kresse, Sprossen
  • NICHT HUNGERN oder FASTEN!!!!
  • Als Getränke eignen sich warmes/heißes Wasser, Tee aus frischen Brennnesselblättern, Zinnkrauttee, Schafgarbentee, Melissentee, eine Mischung aus Himbeer- und Brombeerblättern; wenn Sie zu Kältegefühlen neigen: Kümmel-, Anis-, Fencheltee, Ingwer-Tee

Für eine umfangreiche Entlastung des Körpers sollten Sie nach Möglichkeit auf folgende Lebensmittel verzichten: Zucker, Milchprodukte, Alkohol, Kaffee (max. 1 Espresso täglich), tierisches Eiweiß, Rohkost, Brot und Gebäck.

In den ersten Tagen können sich Emotionen zeigen bzw. Kopfschmerzen auftreten, diese werden jedoch rasch verschwinden, wenn Sie ausreichend trinken und 3 x täglich essen, bis Sie satt sind!

Von großer Bedeutung für den Erfolg ist die freudvolle Durchführung dieser Entlastungstage – bereiten Sie deshalb schmackhafte, bunte, aromatische, gut gewürzte Speisen zu und genießen Sie diese!

Nach der Kur ist ideal, wenn Sie das erste Grün aus der Natur genießen: Salate als kleine Beilage zu einem warmen Gericht, das erste knackige Gemüse wie Radieschen, aber auch Kräuter und die eine oder andere Blüte. Vitamin- und mineralstoffreiche Kost mit viel Gemüse stehen auf dem Speiseplan und wie immer ist ein nahrhaftes Frühstück wichtig. Denn ein chinesisches Sprichwort lautet: „Der Mund ist das Tor zur Gesundheit.“ Jeden Tag aufs Neue.


Zum Weiterlesen:

5 Rezepte mit Mehrwert: www.integrative-ernaehrung.com/5rezepte

Gesund leben mit chinesischer Medizin – Johannes Bernot, Andrea Hellwig, Claudia Nichterl, oekom-Verlag, 2019

Wunschgewicht – Gesund leben mit Chinesischer Medizin – Johannes Bernot, Claudia Nichterl, Helmut Schramm, oekom-Verlag, 2019

Bildnachweise:
Reisgericht - Depositphotos/AGTCM

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