In tiefer Trauer nehmen wir Abschied von Dr. Toshikatsu Yamamoto

Nachruf Dr. Toshikatsu Yamamoto

Dr. med. Toshikatsu Yamamoto, M.D., Ph.D., 1929 - 2026
Facharzt für Anästhesiologie, Gynäkologie und Chirurgie

Rückblick auf sein Leben für seine Mitmenschen, die Medizin und die Wissenschaft

Nachruf und Gedenkansprache Dr. med. Thomas Schockert 
Lehrbeauftragter für YNSA, Private Universität Witten/Herdecke

Toshikatsu Yamamoto wurde am 15. Dezember 1929 als siebtes Kind der Familie Yamamoto in Nichinan in Südjapan geboren. Nach seinem Medizinstudium in Japan begab er sich nach New York für die Facharztausbildung Anästhesie. In New York lernte er seine Frau Helen, Krankenschwester aus Köln kennen.

Abb. 1 - Dr. Toshikatsu Yamamoto mit seiner Ehefrau Helen. Die beiden waren unzertrennlich.

Ein starkes Team!

In Köln gründete er mit Helen seine Familie, machte in Köln die Ausbildung zum Facharzt für Gynäkologie und in Düsseldorf die Facharztausbildung zum Chirurgen. Die Familie Yamamoto kehrte dann mit den beiden Töchtern Margaret-Michiko und Noriko nach Japan zurück und gründete in Nichinan ein Krankenhaus, später in Miyzaki auf der südjapanischen Insel Kyushu eine Rehaklinik und ein Altenheim. Wieder zurück in Nichinan bekam Yamamoto von einem Masseur ein Akupunkturbuch ausgeliehen. Er beschäftigt sich eingehend mit der neuen Materie und begann mit Injektopunktur. Die Injektionen von Lokalanästhetika und Aqua destillata in verschiedene Akupunkturpunkte sprechen sich unter den behandelten Patienten schnell herum. Besonders Aufsehen erregend waren die Injektionen, bei denen allein Aqua destillata injiziert worden war, weil diese Injektionen so sehr schmerzhaft, aber außergewöhnlich wirkungsvoll waren.

Als ein Schlaganfallpatient eine Injektion in die „Geheimratsecke“ (heute bekannt als Yin-Basispunkt C) bekam, meldete er zurück, er spüre seinen gelähmten Arm auf der Gegenseite. Der erste Yin-Basispunkt war entdeckt. Diese Entdeckung und ALLE folgenden Entdeckungen waren nur deshalb möglich, weil der junge Arzt seinen Patienten sehr aufmerksam und interessiert zuhörte und sie ernst nahm. Was Yamamoto immer auszeichnete, war seine achtsame Wertschätzung für seine Patienten.

Helen machte dann abends Aufzeichnungen zu all den spannenden neue Erkenntnissen und Entdeckungen. Sie fertigte bis ins hohe Alter die Bilder an und übertrug diese dann später auch in den Computer. Toshikatsu Yamamoto selbst hat sich nie für Computer interessiert.

Frau Prof. Dr. Ursula Maria Richter, die selbst 10 Jahre lang in Japan gelebt hat, ist mit der Familie Yamamoto eng und freundschaftlich verbunden. Sie hat die Biografie von Toshikatsu Yamamoto und seiner Familie verfasst, die 2003 erschienen ist. 

1973 stellte Yamamoto – seine Frau und seine Freunde nannten ihn Toshi – das aus fünf Basispunkten bestehende Behandlungssystem auf dem 25. Jahreskongress der Japanischen Gesellschaft für Ryodoraku in Osaka vor. Mit den fünf Basispunkten behandelte Dr. Yamamoto 12 Jahre lang Schmerzen und Lähmungen. Dann folgten weitere Entdeckungen von einzelnen Punkten und komplexen Somatotopen.

Die Besonderheit und Einzigartigkeit der Yamamoto Neuen Schädelakupunktur (YNSA) im Vergleich zu anderen Akupunkturformen liegt in den Diagnosesystemen. Mit Hilfe von Arm-, Bauch-, Hand- und Halsdiagnostik ist es möglich, die „RICHTIGEN“ Behandlungspunkte für ein Individuum zu verifizieren. Nach Applikation der Akupunkturnadeln erfolgt dann immer ein Nachtasten der zuvor ertasteten Punkte. Verändert sich eine Druckdolenz oder verschwindet eine zuvor getastete unangenehme Gelose, ist die Nadel an der richtigen Stelle platziert. Das Diagnosesystem dient auch als Kontrollsystem. Diese Präzision zeichnet die YNSA aus und gibt den Behandlern größte mögliche Sicherheit, VERUM-Punkte behandelt zu haben.

2005 erschien beim Verlag für Systemische Medizin ebenfalls der in Köln und der Privatpraxis Dr. med. Thomas Schockert Nideggen gedrehte Lehrfilm YNSA. Eine Besonderheit dieses Lehrfilmes ist, dass Dr. Yamamoto japanisch spricht, weil jeder Mensch in seiner Muttersprache am sichersten und unbefangen ist, so der Filmregisseur Heuer. Der Film wurde dann ins Deutsche und die englische Sprache übersetzt.

Abb. 2 - Willi Noa, der Bruder von Helen Yamamoto, unterstützte immer tatkräftig bei allen Seminaren und Behandlungen

Toshikatsu Yamamoto hat weltweit viele YNSA-Seminare abgehalten. Er war u.a. Gastdozent an der Harvard Medical School und hat viele Seminare in Brasilien gegeben. Als während eines YNSA Seminars der brasilianische Landwirtschaftminister einen Schlaganfall erlitten hat, hat Yamamoto ihn sehr erfolgreich behandelt. Seitdem werden in Brasilien die Kosten für die ärztliche YNSA von den gesetzlichen Krankenkassen getragen.

Yamamoto arbeitete unermüdlich an Forschung, Lehre und Verbreitung seiner YNSA. Alle neuen Entdeckungen, neue Punkte, neue Somatotope spornten ihn zu weiteren Neuauflagen seiner Bücher und eines neuen, nun japanischen Lehrfilmes an. 

Viele Jahre wurde Yamamoto die Anerkennung im eigenen Land bei den japanische KollegInnen verwehrt. Als sich japanische Ärzte in seinen Seminaren einfanden, trat für Yamamoto eine Art „Zeitenwende“ ein. Seine Freude darüber war unbeschreiblich. Noch 2005 kam ein japanischer Professor nach Deutschland, um hier ein YNSA-Seminar zu besuchen. In Japan wollte er nicht mit Akupunktur oder Dr. Yamamoto in Kontakt / Zusammenhang gebracht werden. Lange Jahre galt Akupunktur in Japan als „unärztlich“, da aus der Historie heraus Akupunktur ausschließlich von Masseuren angewendet worden war.

2013 erschienen zeitgleich die 2. Auflage des YNSA Lehrbuches beim Verlag Systemische Medizin Bad Kötzting und der Japanische Lehrfilm YNSA. Außerdem erschien das neue YNSA-Lehrbuch in japanischer Sprache im Selbstverlag. Japanische Ärztinnen und Ärzte füllten seitdem die Seminarräume. Dr. Toshikatsu Yamamoto ist „angekommen“, glücklich und sehr zufrieden.

Abb. 3 - YNSA-Seminar 2013 Miyazaki

Seine herausragendsten Eigenschaften waren seine Menschlichkeit, Bescheidenheit und Fröhlichkeit, die auch die YNSA-Seminare insbesondere in Japan ausmachten. Mit unbändiger und ansteckender Freude reagierte er, wenn die Behandlungen erfolgreich waren und sein Gegenüber von der YNSA profitierte. Neben der Ernsthaftigkeit in den Behandlungen war immer ganz viel Leichtigkeit im Umgang mit seinen schwer kranken Patient:innen zu spüren. Er lebte seine YNSA, vermittelte die komplexe Methode mit Humor und unglaublicher Geduld. Keine Frage war ihm zu viel. 

Veröffentlichungen zum Thema YNSA, seine Bücher, Filme und die YNSA-Forschung lagen ihm sehr am Herzen. Auch in der medline ist die YNSA zu finden: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=yamamoto%20new%20scalp%20acupuncture

Am 20. Januar 2026 verstirbt Dr. med. Toshikatsu Yamamoto friedlich im Beisein seiner Familie.

Abb. 4 - Helen und Toshikatsu Yamamoto in Köln 2005

Danke, liebe Helen, für all Deine Unterstützung bei Toshis Reisen und Seminaren, bei seinen Behandlungen und Studien. Du hast ihm immer sehr viel Kraft, Ermutigung und Rückhalt gegeben. Du warst sein Fels in der Brandung. DANKE!

Danke Dir lieber Toshi für Dein Lebenswerk, das Du den medizinischen Behandler:innen und Patient:innen weltweit geschenkt hast. 

Abb. 5 – Zitat aus „Medical Acupuncture“

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