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Kongressbericht

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37. TCM-Kongress Rothenburg der Arbeitsgemeinschaft für Klassische Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin e.V. (AGTCM)

Die AGTCM begrüßte zu ihrem 37. TCM-Kongress Rothenburg mit dem Thema »Stress bewältigen – besser leben mit Chinesischer Medizin« rund 1000 Gäste aus 20 Nationen. Stresserkrankungen gehören zu den Erkrankunken unserer modernen Zeit und es gibt kaum jemanden, der nicht schon damit konfrontiert wurde, sei es als Therapeut, sei es als Betroffener. Sicher war das Thema ein Grund dafür, so viele Menschen nach Rothenburg zu bringen und damit wurden die Besucherzahlen der Vorjahre weit übertroffen. Nicht nur das romantische Ambiente des Art-Deco-Baus inmitten eines alten Parks am Ufer der Tauber trug zum Gelingen des größten TCM-Kongresses in Europa bei sondern natürlich die hohe fachliche Qualität der Seminare und die ausgesprochen entspannte und insgesamt freundliche Stimmung. Die regnerische Kälte war kein Hinderungsgrund für kollegialen Austausch, vielfältige Inspiration und komplexe, hintergründige Information, vielmehr schien im Zusammenrücken noch mehr Kraftentfaltung für die Chinesische Medizin zu liegen. Das Rothenburger Zusammenkommen von Teilnehmern, Referenten, Autoren, Lektoren, Verlagsvertretern, Apothekern, CM-Funktionären, Vertretern von CM-Krankenhäusern, Händlern und Herstellern unterstützt die gemeinsame Kraft, die wir brauchen, um die Chinesische Medizin qualifiziert zu fördern.

Die Kurse – gehalten von 47 Referenten aus 9 Ländern – beschäftigten sich mit allen Aspekten von Stresserkrankungen, angefangen von Hauterkrankungen und Schlafstörungen bis zu Erkrankungen der inneren Organe, so z.B. des Herzens als dem Zentralorgan.

Einen breiten Raum nehmen in diesem Zusammenhang Qigong-Übungen der verschiedenen Schulen ein. Neben den immer wieder gern gesehenen Qigong-Lehrern Michael Plötz und Ulla Blum, die auch die morgendlichen und abendlichen Qigong-Übungen anleiteten, konnten wir in diesem Jahr erstmals Gordon Faulkner aus Schottland begrüßen, der Übungen zu Vorbeugung von Stress vorstellte. Ausgehend von der Tatsache, dass Qigong ausgleichend auf den gesamten Organismus wirkt, entwickelte seine Schule zwei neue Übungsabläufe – das weiji yufang gong zur Stressvorbeugung und das weiji xiaochu gong zum Stressabbau, die er in Theorie und Praxis mit den Teilnehmern übte.

Der TCM-Kongress Rothenburg bietet außerdem einen Rahmen für Veranstaltungen, die außerhalb des üblichen Seminarablaufs liegen. So gehört mittlerweile das zwanglose Gespräch über chinesische Medizin – DaDaDao, eine bewusste gewählte Wortkombination aus moderner Kunst und alter Philosophie – am Samstag Abend am Kamin ebenso dazu, wie am Samstag Nachmittag die Podiums-Diskussion über die Wissenschaftlichkeit in der chinesischen Medizin. An ihr beteiligten sich unter der Moderation von Jürgen Kräutter, dem Vorstandsmitglied der AGTCM für Wissenschaftsfragen, u.a. Stephen Birch und Axel Wiebrecht.

Mit der Premiere von Heiner Frühaufs (Portland, USA) erstem Film, einer Reportage über alte Meister der TCM in China, wurde die Diskussion über »TCM in der Krise« befruchtet, die sich um die Vermischung der TCM mit westlicher Medizin und Verwässerung durch westliches Denken dreht. 2007 wird in Rothenburg darüber schwerpunktmäßig diskutiert werden.

Diese Problematik war ebenfalls Gegenstand einer Talkrunde, an der unter der Moderation von Diane Scott-Tower (Groß-Britannien), Stephen Birch (Niederlande), Arnaud Versluys (USA) und Peter Deadman (Groß-Britannien) teilnahmen.

Am Mittwoch Abend (24.5.) lud die AGTCM zu einem »International Dinner« in den Rokokosaal der Ev. Tagungsstätte Wildbad ein. Dieses Zusammentreffen ist ein ausgezeichnetes Forum, um auf kollegialer Ebene international Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen mit den Vertretern der anderen Nationen. In diesem Jahr waren wir besonders erfreut, dass dank der Initiative von Friedrich Staebler ungefähr 30 Kolleginnen und Kollegen aus Groß-Britannien nach Rothenburg kamen, darunter auch Schulleiter und leitende Personen der englischen Akupunktur-Vereinigung BAcC.

Alle Vortragenden, die zu dem Thema Stress in seinen vielen Gesichtern und Erscheinungsformen in ihren Kursen das Thema auf vielfältige Art beleuchteten, genießen international hohe Anerkennung. Ob sie die Klassiker erläuterten oder anhand von Pulsdiagnose, Tuina, Gesichts-Guasha oder anderer praktischer Übungen das Thema Stress erarbeiteten, jeder einzelne Kurs war einen Besuch wert, und die Teilnehmer des Kongresses konnten sicher mit vielen wertvollen und guten Erkenntnissen in ihre tägliche Praxisarbeit zurückkehren.

Das gesamte Kongressprogramm hier vorzustellen, würde den Rahmen des Artikels sprengen, deshalb ein kurzer Überblick über einige Referenten und Themen, der jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Natürlich gehörten Referenten wie Julian Scott, Jeremy Ross, Jan Schroen und Richard Tan zu den Referenten, die sich immer ihres aufmerksamen Zuhörerkreises sicher sein können.

Es war uns eine besondere Freude, einmal wieder Elisabeth Rochat de la Vallée in Rothenburg begrüßen zu können. Sie sprach in ihrem Referat über die kosmische Ordnung, die der Körper reflektiert und führte dafür ausgewählte klassische Texte an, die diese Ordnungen des Lebens beschreiben.

Fritz Friedl und Christian Schmincke stellten die Konzepte ihrer Kliniken vor. Beide Kliniken arbeiten mit chinesischer Arzneitherapie und sind aufgrund ihrer diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten in der Lage, auch Patienten mit schweren Schmerzen umfassend behandeln zu können.

Auch Mazin Al Khafaji aus Groß-Britannien kam nach längerer Zeit wieder einmal als Referent zum Kongress nach Rothenburg. Er ist ein unbestrittener Meister in der Behandlung von dermatologischen Erkrankungen und erzielt mit der chinesischen Arzneitherapie verblüffende Erfolge, selbst bei schwersten Hauterkrankungen. Alle dermatologischen Erkrankungen mit dem verbundenen Juckreiz und der Entstellung der Körperoberfläche stellen ein besonderes Maß an Stress für die betroffenen Personen dar und hier bietet die chinesische Kräutertherapie in der Tat eine wunderbare Alternative zu den klassischen schulmedizinischen Therapieansätzen.

Stephen Birch, der kompetente Vertreter der japanischen Akupunkturschule, gab eine Einführung über die Möglichkeiten der Balance der Yin- und Yang-Kanäle nach Manaka, die nach seinen Ausführungen leicht zu erlernen und sehr effektiv ist. In einem weiteren Workshop stellte er die Behandlungsmöglichkeiten von Verletzungen mit japanischer Akupunktur und Moxibustion vor.

Auch Yair Maimon aus Israel und Lillian Bridges aus den USA waren wieder gerne gehörte Referenten des Kongresses. In diesem Jahr sprachen sie in einem gemeinsamen Workshop über die sieben Typen von Stress in Bezug auf die sieben Emotionen. Sowohl deren Exzess als auch unkontrollierte Dauer führen in die Pathologie, und der Workshop befasste sich eingehend mit der Erklärung der sieben Emotionen und ihrem Bezug zu Stress, der wiederum im Körper verschiedene biochemische Reaktionen hervorruft. Sie gaben Anregungen zur Behandlung mit Akupunktur. Die Landkarte des Gesichts zu lesen und daraus ein Persönlichkeitsprofil zu erstellen, ist das Spezialgebiet von Lillian Bridges. Die verschiedenen Linien und Zeichen des Gesichts richtig zu analysieren und in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen, ist eine Kunst, die sie ausgezeichnet beherrscht und im Workshop anschaulich vermitteln konnte.

Was ist alle Theorie wert, wenn der Punkt nicht richtig lokalisiert und getroffen wird und so seine beabsichtigte Wirkung nicht richtig entfalten kann? Deshalb findet regelmäßig anlässlich des Kongresses ein Punktlokalisationskurs statt. Die Teilnehmer werden von Astrid Kratz und Renate Schröter darin unterwiesen, wie man die cun-Maße richtig auf allen Bereichen der Körperoberfläche anwendet. Der gute Besuch dieses Kurses zeigt, wie sehr ein Bedarf im praktischen Üben der Punktlokalisationen vorhanden ist.

Nils von Below, der 1. Vorsitzende der AGTCM, verabschiedete am Ende des zweiten Plenum-Vormittags (27.5.2006) die Besucher mit dem Ausblick auf den 38. TCM-Kongress Rothenburg, der vom 16. – 20.5.2007 unter dem Arbeitstitel „Psyche und Soma“ stattfinden wird.

Birgit Ziegler
2. Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für
Klassische Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin e.V.
Pfungstädter Str. 16
D-64404 Bickenbach
Tel.: +49 (0)6257 69670
Fax: +49 (0)6257 69672
Mobil: +49 (0)170 5 37 57 69
Email: Birgit.Ziegler@t-online.de

Weitere Informationen

Birgit Ziegler
2. Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für
Klassische Akupunktur
und Traditionelle Chinesische Medizin e.V.
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