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38. Internationaler TCM-Kongress Rothenburg ob der Tauber

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Zum 38. Mal traf sich die internationale TCM-Familie in Rothenburg ob der Tauber zum Lernen, zum kollegialen Austausch und zum gemütlichen Beisammensein.

Wie in den letzen Jahren auch lebt die Tagung von der unglaublichen Offenheit und Kontaktfreudigkeit ihrer Teilnehmer und Referenten. Hier trifft man die Experten zum Anfassen. Anscheinend bringt die Magie des Ortes Rothenburg und speziell die Atmosphäre in unserem Tagungszentrum Wildbad es immer wieder zustande, das sich ein Gefühl des »Familientreffens« einstellt und dies auch bei den ausländischen Gästen, die Jahr für Jahr gerne wieder den Weg zum TCM-Kongress nach Rothenburg finden.

Zu Beginn des Berichtes einige statistische Anmerkungen:
Die AGTCM begrüßte 1050 Besucher aus 26 Nationen. Dies stellt alle bisherigen Besucherzahlen in den Schatten. Schon im letzten Jahr konnten wir über 900 Gäste zählen, umso mehr waren wir in diesem Jahr überrascht, dass diese grandiose Gästezahl noch einmal getoppt werden konnte. Der diesjährige Kongress stand unter dem Arbeitstitel »Psyche und Soma«. Wir stellen fest, dass unsere Themenauswahl so gut und erfolgreich ist, dass andere Organisationen gerne immer wieder sich des gleichen Themas bedienen. Der Ehrgeiz der Kongress-Leitung in Person von Gerd Ohmstede ist es, schon zu dem laufenden Kongress das Thema des nächstjährigen Kongresses mit einem schon gut ausgearbeiteten Programm vorzulegen. So konnten wir unseren Besuchern eine Programmübersicht für 2008 mitgeben und die Themenschwerpunkte im nächsten Jahr werden die Kinderheilkunde und die Auriculo-Akupunktur sein.

Wir freuten uns besonders darüber, dass die schweizerische Organisation SBOTCM mit mehr als 100 Besuchern auf dem Kongress vertreten war. Außerdem begrüßten wir wieder zahlreiche Gäste aus Israel, zu deren Schulen sich in den letzten Jahren ein intensives und gutes Verhältnis entwickelt hat. In diesem Jahr konnte auch eine Delegation unserer Partneruniversität von Chengdu (CDUTCM) unserer Einladung folgen. Wir begrüßten den Vizepräsidenten Prof. Liang Fanrong, die Leiterin des Office for Foreign Affairs, Prof. Huang Qingxian, und Prof. Qi Luguang, Expertin für Diabetes, die auch zwei Workshops hielt, auf die noch näher eingegangen wird. Außerdem besuchten zwei offizielle Vertreter der World Federation of Acupuncture Moxibustion Societies (WFAS), zu deren Mitgliedern die AGTCM zählt, den Kongress. Dies waren Dr. Hu Weiguo, der einen Lehrauftrag in der Schweiz hat, und Prof. Liu Jie, ein Arzt, der in der 16. Generation einer Ärzte-Dynastie steht, die eine besondere Form der Chrono-Akupunktur mit erstaunlichen Resultaten betreibt.

In diesem Jahr begannen wir mit der Reihe »Rezeption und Transmission im historischen Kontext«. Nie war es leichter, Übersetzungen klassischer chinesischer Texte zu erhalten als heute. Der Buchmarkt expandierte außerordentlich in den letzten 15 Jahren. Doch entstehen durch Übersetzungsfehler und individuelle Interpretationen immer wieder Irritationen und Auseinandersetzungen. Unter der Federführung von Andreas Noll wollen wir in den nächsten Jahren weiter daran arbeiten, das kulturell und historisch gewachsene Konzept der chinesischen Medizin zu beleuchten, zu hinterfragen, an der Realität zu messen und mit unserem westlich geprägten medizinhistorischen Hintergrund und unserer Entwicklung in Einklang zu bringen.

Eine weitere Seminarlinie, die sich schon seit einigen Jahren im Kongress etabliert hat und von Stephen Birch repräsentiert wird, konnte in diesem Jahr sehr erfolgreich fortgesetzt werden. Es war uns eine besondere Ehre, zwei japanische Akupunkturmeister Yutaka Shinoda und Michitaka Tokunada einzuladen, die eine sehr praxisbezogene Einführung in das Toyohari System vorstellten. Dieses System wurde von blinden Akupunkteuren in den frühen 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts aus der Not heraus entwickelt, dass blinden Studenten der Zugang zum Studium verwehrt war. Sie erlernten trotzdem erfolgreich die Methode des Keiraku Chiryo und schlossen sich in der Toyohari Association zusammen, die in den folgenden Jahren neue Behandlungsmethoden, eine Verbesserung der Diagnostik und Techniken entwickelten. Die Lehrer sind hochqualifiziert und trainieren mittlerweile auch sehende Schüler. Auch diese Reihe wird in den nächsten Jahren fortgesetzt.

Der Wissenschaftstag unter der Moderation von Velia Wortmann gehört inzwischen auch zum festen Bestandteil des Kongresses. Hier diskutierten in diesem Jahr Markus Bäcker, Christian Schmincke, Liang Fanrong über die jüngsten klinischen Studien und die Wirksamkeit von Akupunktur in der Schmerztherapie. Für das nächste Jahr ist eine Fortsetzung mit einem erweiterten Themenspektrum u.a. mit Prof. Dobos und Arnaud Verslyuis geplant.

Ein weiteres Novum stellt in diesem Jahr der TCM-Apothekertag dar, der am Samstag (19.5.) und Sonntag (20.5.) stattfand. Angela Körfers (Begründerin der Idee) und Sun Yutian referierten am Samstag über die verschiedenen Pao-zhi-Verfahren und über die Herkunft und Verarbeitung der Drogen und deren optisch erkennbare Qualitätsmerkmale. Die Kenntnis darüber ist sowohl für Apotheker als auch Therapeuten wichtig, damit exakt rezeptiert werden kann. Davon hängt letztendlich der Behandlungserfolg ab. Die Themenvielfalt, aber auch die Vorträge von angesehenen Fachleuten wie Severin Bühlmann, Bernd Stuhrmann, Wenjun Zhong, Robert Schmuecker, Simon Becker, sowie Angela Körfers und Sun Yutian fanden unter den zahlreichen Teilnehmern eine außerordentlich hohe Akzeptanz. Der gemeinsame Abend im königlichen Rokoko-Saal sollte die Kommunkation zwischen Verschreibern und Apothekern fördern. Ebenso wie die vorgenannten Seminarlinien wird auch diese Veranstaltung im nächsten Jahr weitergeführt.

Auch in diesem Jahr stellten die »altgedienten« Experten mit ihren Workshops das Rückgrat des Seminarprogramms dar. Hierzu zähle ich in in erster Linie Barbara Kirschbaum, Annette Jonas, Michael Noack und Astrid Kratz und Renate Schröter von der AGTCM. Aber auch Sybill Huessen und Scott Tower, Heiner Frühauf, Lillian Bridges und Yair Maimon sind gern gehörte Referenten des Kongresses. Daneben gibt es auch immer ein Angebot für die Sinne. Dinah Marker in ihrem Gesangs- und Klangheilungsseminar versuchte den Teilnehmern den Ein-Klang mit dem Dao zu vermitteln und Petra Hinterthür kalligraphierte die Schriftzeichen für Gelassenheit, Achtsamkeit, Seelenfrieden und Heiterkeit und lud Interessierte dazu ein mit dieser Haltung einen Ausflug in die Kalligraphie zu unternehmen.

Erfreulicherweise war es Prof. Qi Luguang von der Chengdu University of TCM (CDUTCM), möglich zu einem Besuch nach Rothenburg zu kommen. Sie ist eine international hochangesehene Diabetes-Spezialistin. Dank ihrer ausgefeilten Arzneimittel-Therapie und ihrer langjährigen Erfahrung ist es ihr gelungen, viele Diabetes-Patienten vor der Amputation von Gliedmaßen zu bewahren. Sie sprach über die Differentialdiagnose und Behandlung von Nierenerkrankungen, ausgelöst durch Diabetes. Die diabetische Nephropatie ist eine weit verbreitete chronische Komplikation der Erkrankung. In China sind es 20 – 40 % von ungefähr 40.000 Diabetes-Patienten, die an diabetischer Nephropathie leiden. Die Überlebensrate beträgt weniger als 20 %. Die traditionelle chinesische Medizin hat die Pathomechanismen schon in der Tang-Dynastie folgendermaßen beschrieben: Der Mangel an Nieren-qi führt zur Auszehrung (xiao ke), Polyurie und Schmerzen im unteren Rücken. In den historischen Texten findet man viele Aussagen über die klinische Manifestation, die Pathogenese der Erkrankung, die Prognose und auch die Notwendigkeit einer früh einsetzenden Behandlung. Die Möglichkeiten der chinesischen Medizin können die westliche Medizin sinnvoll ergänzen und die oftmals äußerst schlimmen Folgen des Diabetes mellitus lindern, z.B. bei der DN und in der Behandlung von Gangränen, bei denen in der westlichen Medizin die Amputation der betroffenen Gliedmaßen das Mittel der Wahl darstellt.

Barbara Kirschbaum sprach sehr praxisbezogen über die Differenzierung und Behandlung der multiplen Sklerose. Aus der Sicht der chinesischen Medizin handelt es sich um ein Wei-Syndrom. Hinsichtlich der Differenzierung gibt es zahlreiche unterschiedliche Muster, die in Fülle- und Mangelzustände unterteilt werden. Aus der Erfahrung der Dozentin hat sich gezeigt, dass insbesondere Menschen, die sich im Anfangsstadium dieser Krankheit befinden, sehr effektiv mit Hilfe der chinesischen Medizin, insbesondere mit der Arzneimitteltherapie, behandelt werden können.

Astrid Kratz und Renate Schröter, zwei erfahrene Dozentinnen des Ausbildungszentrums Mitte (ABZ Mitte) in Offenbach, tragen mit ihrem Vorkurs in Punktlokalisation, der jeweils am Mittwoch stattfindet, dazu bei, die Punkte richtig zu lokalisieren und damit den Behandlungserfolg zu sichern. Es werden immer wieder schwierige Punkte, wie z.B. am Kopf, lokalisiert und das stets gleich bleibende Interesse an diesem Kurs zeigt, wie wichtig dieses Angebot ist.

Annette Jonas hatte einen ganz außerordentlichen Gast in ihrem Seminar. Zusammen mit Li Jiacheng wurde das Dantian Qigong im Stehen geübt. Der Name Dantian kann auch als Zinnoberfeld übersetzt werden. Beim Dantian Qigong wird sich auf das untere Dantian konzentriert, ein Gebiet das eine enge Beziehung zu den Lebensvorgängen des menschlichen Körpers hat. Es ist der Dreh- und Angelpunkt des wahren Qi, seines Aufsteigens und Absteigens, Öffnens und Schließens, der Zeugung des Lebens, das Fundament der fünf Zang und der sechs Fu-Organe, die Wurzel der zwöf Hauptmeridiane, die Zusammenkunft von Yin und Yang, kurz, es ist der Ort wo der Mann seine kostbare Zeugungsessenz und die Frau den Fetus nährt. So kann eine konstante Konzentration auf das Dantian den Effekt haben, die Gesundheit zu stärken und zu bewahren sowie Krankheiten zu heilen.

Außerdem referierte Meister Li, der seit seinem 8. Lebensjahr in Qigong unterrichtet wurde und es seit dieser Zeit praktiziert, über Qigong-Behandlung, eine Methode, die im Westen nicht bekannt ist. Diese wird von sogenannten Qigong-Ärzten ausgeführt, die jedoch keine Ärzte mit universitärer Laufbahn sind, sondern in der chinesischen Meister-Schüler-Tradition unterrichtet werden, die ihr Wissen von Mund zu Mund weitergeben und bewahren. Man kann diese Qigong-Ärzte im guten Sinne des Wortes als Heiler bzw. Schamanen bezeichnen.

Elisabeth Rochat de la Vallée gehörte mit ihrem Referat über Emotionen als Störung der Bewegung des korrekten Qi zu den gern gehörten Lehrern. Sie ist besonders bekannt durch ihre Übersetzungen und Interpretationen der klassischen Texte.

Zum allerersten Mal war Radha Thambirajah als Dozentin in Rothenburg und führte neben Heiner Frühauf die meisten Teilnehmer in ihren Kursen zusammen. Sie sprach über die Behandlung von Fibromyalgie, aber auch über die Möglichkeit mit Hilfe der Akupunktur kosmetische Behandlungen durchzuführen. Ihr Buch »Kosmetische Akupunktur« erschien rechtzeitig zum Kongress.

Claude Diolosa war nach einigen Jahren wieder als Dozent in Rothenburg anwesend.
Neben seinem Seminar stellte er sein Projekt »Benchen Free Clinic« in Kathmandu vor. Hier behandelt er seit vielen Jahren die einheimische Bevölkerung und emigrierte Tibeter kostenlos mit der chinesischen Medizin. Dazu lädt er Freiwillige ein, die dort einmal für einige Zeit mit praktizieren möchten.

Sein Seminar über psychosomatische Erkrankungen fand bei den Teilnehmern großen Anklang. Die psychologische Betreuung gehört zum täglichen Brot einer TCM Praxis. Sie geschieht natürlich mit Gesprächen, aber auch diätetische Empfehlungen, Akupunktur, Kräutertherapie und Qigong gehören zur Behandlung, um die verletzten Kanäle des Herzens wieder durchgängig zu machen. Die Essenz der TCM Psychologie ist in der zeitlosen Lehre des Daoismus und Buddhismus zu finden und darf deshalb nicht ohne diesen historischen Kontext betrachtet werden.

Ebenso konnte nach mehreren Jahren wieder einmal Bob Flaws begrüßt werden. Er gehört zu denjenigen Dozenten, die schon in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts regelmäßig in Rothenburg unterrichteten. In diesem Jahr sprach er über die drei wichtigsten Krankheitsmechanismen von psychischen Erkrankungen, über Angststörungen, das ADS Syndrom in der Pädiatrie, aber auch über die Behandlungsfrequenz, die weit über das Schema »einmal pro Woche« hinausgeht.

Der Platz reicht leider nicht aus, alle Referenten kurz zu erwähnen, aber auch ihre Workshops waren gut frequentiert und von den Teilnehmern geschätzt. Sollten Sie Rothenburg noch nicht kennen, so lade ich Sie herzlich ein zu dem nächstjährigen 39. Kongress mit dem Schwerpunktthema »Kinderheilkunde“ und Aurikolo-Akupunktur«. Er wird wieder in der Woche von Himmelfahrt vom 30. April bis 4. Mai 2008 in der Tagungsstätte Wildbad stattfinden. Der Kongress ist dem Lebenswerk von Sun Simiao (581 – 682) gewidmet, das in einer Ausstellung dargestellt werden wird.
Das neue 2008er Programm wird in den nächsten Tagen ins Netz gestellt: www.tcm-kongress.de

Birgit Ziegler
Arbeitsgemeinschaft für Klassische Akupunktur und
Traditionelle Chinesische Medizin e.v. (AGTCM)
www.agtcm.de

Weitere Informationen

Birgit Ziegler
2. Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für
Klassische Akupunktur
und Traditionelle Chinesische Medizin e.V.
Pfungstädter Str. 16
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Tel.: +49 (0)6257 69670
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