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Tuina

Sicca Syndrom (trockenes Auge)

Liane 04.10.2008 17:33

Wie beurteilen Sie die Behandlungsmöglichkeiten und Erfolgsprognosen von Akupunktur bei chronisch trockenen Augen und Verdacht auf Rheuma?

Das sog. Sicca Syndrom wurde vor 8 Jahren für die Augen diagnostiziert, eine eigene Vermutung wäre, dass zudem die Speichelfunktion im Mund nicht stimmt bzw. auch dort Sicca vorliegt, da die Zähne sehr anfällig für Karies und v.a. kreisförmigen Karies rund um die Zahnhälse sind (mit 29 Jahren 12 Kronen deswegen). Diabetes, Schilddrüsenfehlfunktion und Sjögren-Syndrom wurden ausgeschlossen. Es besteht aber Verdacht auf Rheuma (im Blut derzeit nicht nachweisbar) wegen zeitweise steifen und heißen Händen (selten auch Füße, Knie, Ellbogen) am Morgen, selten abends. Hände wurden besser, nachdem Verzehr von Schweinefleisch, Zucker und Säure stark reduziert wurde. Bin dankbar für weitere Ernährungstipps.

Eine Akupunkteurin, bei der ich eine Sitzung hatte erklärte mir ehrlich und offen, dass die Akupunktur nicht viel bewirken könne, solange ich das Rauchen nicht aufgebe. Die Raucherentwöhnung könne durch Akupunktur unterstützt werden, den (leider sehr schwachen) Willen könne sie jedoch nicht ersetzen bzw. bewirken. So gab ich den Akupunkturansatz zunächst auf, da die Erfolgsprognose zu gering bei eh wenig Geldmitteln war.

Ich habe zwei Tättowierungen (Nacken, Bauchnabel), wiege 60 Kilo bei 1,80 m Größe. Alkohol sehr selten.

Ich hoffe die Informationen sind ausreichend für eine gute Einschätzung und Rückmeldung.

Vielen Dank im Voraus.

Frontend: 00000000153.jpg Silja Thiemann ModeratorMitglied 06.10.2008 08:48

Liebe Liane,

das ganze Feld der sog. Autoimmunerkrankungen ist schulmedizinisch oft sehr unscharf einzugrenzen, und schwierig unter einen Oberbegriff zuzuordnen. So ist das sog. "Sicca-Syndrom" das symptomatische Zeichen für ein Sjörgen-Syndrom (Leitsatz: trockene Augen und trockener Mund), wird aber auch ganz breit als Begleiterscheinung von rheumatischen Erkrankungen zugeordnet, aber auch bei Hepatitis C.

Rheumatische Erkrankungen ist eine sehr grosse Schublade, wobei sich die Erkrankungen oft sehr individuell ausdrücken. Und es ist nicht selten, dass ein Patient deutliche und schmerzhafte Gelenkbeschwerden hat, sich im Blut keine sog. Rheumafaktoren nachweisen lassen. Wie sich auch immer das Rheuma jedoch äussert, ist und bleibt es eine Erkrankung des Immunsystems, dass völlig irritiert nicht mehr zwischen eigenen Strukturen und Fremd-Eiweissen unterscheiden kann. Fremd-Eiweisse werden durch die Nahrung (z.B. Schweinefleisch), oder z.B. als Pollen eingeatmet. Die Irritation des Immunsystems ist mit Allergien also ähnlich, nur die Folgen sind unterschiedlich: bei rheumatischen Erkrankungen beginnt das Immunsystem den Gelenkknorpel zu attackieren, dieser entzündet sich und wird im Laufe der Zeit u.U. sogar zerstört.

Die westliche Behandlung versucht nun zuerst mit Entzündungshemmern, wie Cortison, die Entzündungen zu unterdrücken. Aufgrund der Nebenwirkungen ist dies aber nur kurzfristig, bzw. langfristig nur niedrig dosiert möglich. Bildet sich die Erkrankung nicht spontan unter kurzer, heftiger Gabe zurück, wird zusätzlich das Immunsystem mit Medikamenten unterdrückt. Damit bessert sich zwar bei einem Teil der Patienten die rheumatische Symptomatik, jedoch kommen Folgeerkrankungen hinzu durch das künstlich geschwächte Immunsystem. Ausserdem haben alle Rheumamedikamente selbst üble Nebenwirkungen.

Aus Sicht der chin. Medizin kann ich aus meiner Erfahrung sagen, dass bei allen rheumatisch erkrankten Patienten immer eine Schwächung der Mitte vorliegt. Die Funktionskreise, die für Aufnahme und Verarbeitung von Energien aus der Umwelt zuständig sind, werden in der deutschen Übersetzung mit Magen und Milz-Bauchspeicheldrüse bezeichnet. Wir müssen viel mehr verdauen als nur die Nahrung. Sondern auch Information und Gelerntes will "verdaut" werden, ebenso Gefühle, Kontakte und Beziehungen. Und weil dies so ein zentraler Knackpunkt ist, bezeichneten die Chinesen diese beiden Funktionskreise als die Mitte. Denn wenn sie nicht gut arbeiten, wird über kurz oder lang der ganze Organismus gestört ablaufen, und andere Funktionskreise werden mit geschädigt.

Mit Akupunktur wie auch mit Kräutertherapie, in Verbindung mit Geduld und Disziplin lassen sich schon rheumatische Erkrankungen ausheilen. Nur braucht die Heilung ihre Zeit, denn was über viele Jahre entstanden ist, lässt sich nicht innerhalb von 3-4 Wochen weg"zaubern", sondern braucht Monate, evt. jahrelange Behandlung. In der Anfangsphase wird Akupunktur sicherlich 1x/Wo. nötig sein, im Laufe der Zeit lassen sich die Intervalle aber strecken, über 1x/Monat auf 4-5x/Jahr.

Mein Tip: warten Sie nicht zu lange mit der Behandlung. Je länger diese Symptomatik besteht, je mehr Körperstrukturen beteiligt sind, desto langwieriger das Ausheilen. Und ist der Gelenkknorpel durch die Entzündungen erst zerstört, kann keiner diesen wiederherstellen!

Ernährungstipps sind wichtig, wobei Sie schon Lebensmittel meiden, die hohe Bedeutung haben. Allgemein können Sie in der Literatur (z.B. Heider de Jahnsen, "Chinesische Ernährungslehre") besonders auf die Tips achten, die die Mitte, Magen und Milz kräftigen und unterstützen. Ihnen hier gezielte Hinweise zu geben, ist allerdings unmöglich, denn dazu kennen wir Sie und Ihre Konstitution nicht. Da sollten Sie sich von dem Sie behandelnden Kollegen beraten lassen. Nur mit Ernährungsumstellung allein lässt sich eine solche Autoimmunerkrankung allerdings nicht ausheilen.

Und ich kann die Empfehlung der Kollegin nur bekräftigen:
Nikotin ist eines der stärkst schädigenden Zellgifte! (Und Rauch enthält nicht nur Nikotin.) Es schädigt massiv gerade das Immunsystem und die Selbstheilungskräfte des Körpers! - Die mangelnden Geldmittel für die Therapie könnten Sie jedoch durchs Zigarettengeld wettmachen... ;-)

Viele Grüsse
und Gute Besserung,
Silja Thiemann

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