Technik und Theorie
Hallo allerseits,
ich habe nach einiger Zeit Praxis einige theoretische und praktische Fragen, die ich gerne hier im Forum diskutieren würde. Vielleicht sind sie manch anderen völlig klar, vielleicht auch nicht...
Frage Nummer 1: Worin genau besteht der Unterschied, ob ich (a) einen peripheren Punkt (z.B. TaiXi) direkt Moxe (kleiner Kegel, der nach herkömmlicher Methode durchaus bis auf die Haut abbrennt, was man aber hier im Westen kaum machen kann) oder ob ich (b) Moxa auf die Nadel gebe. Im Manaka Stil wird Moxa auf der Nadel (Kyotoshin) eigentlich nur auf den Back-Shu Punkten verwendet, d.h. im Rückenstrecker. Wie ist das aber bei Punkten in der Peripherie? D.h., wann ist welche Methode anzuwenden und warum?
Danke und Gruß
Silja Thiemann
ModeratorDie moderne TCM hat Moxa v.a. fast ausschliesslich auf das Einbringen von Wärme reduziert, und rät zu Vorsicht bis zur Kontraindikation bei Anwesenheit von Hitzesymptomen. Dort wird die Moxa meist grossflächiger aufgebracht, z.B. als Nadelmoxa, Moxazigarre bis zur Moxabox. Hier steht der wärmende Effekt im Vordergrund, die Strahlung der Glut soll mgl. tief ins (Oberflächen-)Gewebe eindringen können.
Je kleiner die Moxaglut, desto weniger wird der wärmende Aspekt betont. Gibt man sanfte Reize, die nur als sanft spürbare Wärme wahrnehmbar sind, wirkt Moxa intensiv nährend und auffüllend. Auf die darunter liegende Muskulatur (z.B. auf den Latissimus) wirkt die sanfte Wärme zusätzlich entspannend.
Je schärfer die kleine Glut spürbar ist, bis hin zu nadelstichartigen Reizen, desto mehr wirkt Moxa bewegend. Diese Techniken werden mehr in der japanischen Schule angewendet. Dort gibt es Therapeuten, die ausschliesslich mnit Moxa arbeiten, und eben auch Hitze-Erkrankungen damit therapieren. Mit feinster Fadenmoxa (hochreine Moxa wird zum feinsten Fädchen gedreht, ca. 1/10 der Grösse eines Sesamkornes) kann bei Stagnationen viel Bewegung erzielt werden, ohne dass die Hitze der Moxa einen unerwünschten negativen Effekt auf Hitzesymptomatik hat. Eher im Gegenteil, die scharfen, feinen Reize wirken somit (auch Hitze) zerstreuend.
In China wird Direktmoxa teilweise bis zu Narbenbildung appliziert. Die Narbe ist ein Gebiet in dem das WeiQi hochaktiv ist. So bleibt der Punkt durch den Reparaturmechanismus länger angeregt. Im Laufe der Zeit wird meiner Meinung nach ein solcher Punkt aber abstumpfen, bzw. durch eine Vernarbung evt. selbst zur Blockade.
In der japanischen Moxaapplikation ist Narbenbildung eher unerwünscht. Hier kann der Therapeut durch seine Technik die Hitze steuern, damit die Haut nicht unnötig verletzt wird, selbst wenn eine Moxe bis zur Haut abbrennt, bzw. wird mit Shiunko-Creme die Haut geschützt.
Ein wichtiger Punkt ist aber die Qualität des Moxakrautes. Je reiner die Moxa, desto sanfter die Wirkung der Glut. Die chin. Moxaqualitäten sind meist sehr unrein, mit viel krautigem Anteil, die Farbe eher grünlich als gelb. Beim Rollen zwischen den Händen entsteht viel Staub. Beim Abbrennen rieseln häufig Glutteilchen herab, weswegen mit diesen Qualitäten die Haut abgeschirmt werden sollte. Diese chinesische Moxa qualmt stark mit beissendem Geruch. Der Preis liegt für 100g bei 3-5EUR. (Mit dieser Moxa sollte niemals direkt gearbeitet werden, und Nadelmoxa muss abgeschirmt werden!)
Je reiner die Moxa, desto goldgelber und "wolliger" erscheint sie. Die hochreinen japanischen Qualitäten lassen sich sehr fein zwischen den Fingern ausrollen. Sie haften sehr gut aneinander, so dass auch keine Gefahr von herabfallenden Glutteilchen von der Nadel besteht, bzw. haftet das Bällchen sehr stabil am Nadelgriff. Auch die Qualmentwicklung ist wesentlich geringer, der Geruch fast angenehm. Der Preis für 100g Nadlemoxa (Kyutoushin) beginnt bei ca. 30EUR. Direktmoxa beginnt bei ca. 50EUR bis zu 100EUR für Fadenmoxa geeignete.
Viele Grüsse, Silja
Liebe Silja,
1000 Dank für deine ausführliche Antwort! Ich arbeite sowohl chinesisch als auch japanisch (Manaka und Meridiantherapie), daher sind mir die Unterschiede von chinesischem Moxen und Okyu durchaus vertraut. Ich stutze lediglich, wenn ich in alten Rezepten finde, dass z.B. Ni03 gemoxt werden soll. Intuitiv würde ich weder große Kegel noch Okyu verwenden, sondern (ebenso wie bei Mi01 beispielsweise) direktes Moxa nach "Narbenart", da die Wärme nicht die Muskeln entspannen soll sondern Yang ins System bringen soll. Hier wird z.B. eine "Adukibohnengroßer Moxakegel geformt, der keine Kegelform hat, sondern möglichst dicht ist und auf der Haut fast spitz zuläuft. Dieser wird so weit abgebrannt, bis der Patient es nicht mehr toleriert, traditionell bis zur Narbenbildung. Die Anzahl der Moxa-Einheiten wurde nur gezählt, wenn das Moxa bis auf die Haut abbrannte.
Nun habe ich aber beobachtet, dass viele hier Ni03 Nadeln und Moxa darauf abbrennen. Worin besteht zwischen diesen beiden Methoden der Unterschied?
Ich freue mich auf eine "heisse" Diskussion.
Liebe Grüße, Volker
Wer hat Erfahrung mit dem SiccaSyndrom am Auge? Angeblich is es heilbar insbesondere mit Akupunktur? Habe in der einschägigen Literatur nichts gefunden.
(Diese Frage wurde vom Moderator als eigenes Thema gestartet, bitte das Sicca-Syndrom unter
http://www.agtcm.de/therapeuten/mitglied... diskutieren!)
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