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Meditation

Inkomplette Lähmung nach Unfall mit Blasenlähmung

Gunda Harken 12.01.2009 22:35

Ich habe einen Patienten, der vor drei Jahren durch einen Unfall einen Bruch des Halswirbels erlitt. Eine inkomplette Lähmung mit gleichzeitiger Blasenlähmung resultieren hieraus. Mehr weiß ich leider noch nicht über ihn, da die Anamnese erst noch erfolgen wird. Meine Frage: Hat jemand bereits Erfahrungen und /oder Erfolge bei einem ähnlichen Fall mittels Akupunktur und/oder Kräuterbehandlung gemacht? Wie sind die Aussichten auf Erfolg, besonders im Hinblick auf die Blasenlähmung? Ich gehe von einer spastisch gelähmten Blase aus. Bin über jede Hilfe dankbar!
Kollegiale Grüße
Gunda Harken
Das Anamnesegespräch ist nun erfolgt. Folgende Ergänzungen: Das Rückenmark wurde durch den Unfall nicht geschädigt! Die Lähmung ist inkomplett, C4 gebrochen und mit Metallplatte genagelt, C5/6 gequetscht. Keine Sensibilitätsstörungen, vorhandene Blasen- und Enddarmlähmung. Der Patient trägt zeitweise einen Dauerkatheter, allerdings ohne Beutel, da er den Füllestand der Blase selber noch spüren kann. Auch die Darmentleerung erfolgt selbstständig, allerdins nicht täglich und mittels Zäpfchen. Motorische Einschränkungen: Spastik der rechten Hand, besonders der Finger. Ebenso vorhandene Fußheberparese rechts. Insgesamt erstaunliche Beweglichkeit aufgrund diszipliniertem Trainung (täglich durchgeführte verschiedene Therapien seit dem Unfall: Physio-, Elektro-, Hippo- und Ergotherapie). Hat sehr gut auf Voitja Therapie reagiert und ist daher sehr offen für eine Akupunkturbehandlung.
Habe bereits sehr gute Tipps vom Kollegen Karius bekommen, bin dennoch für jeden Gedanken- und Erfahrungsaustausch dankbar.
Herzliche Grüße
Gunda Harken

Frontend: 00000000153.jpg Silja Thiemann ModeratorMitglied 01.07.2009 16:26

Hallo Gundula,

das ist ein nicht alltäglicher, aber sehr spannender Patient, den Du uns da zum Mitdenken vorgestellt hast. Die Tips, die Walter Karius gegeben hat, würden bestimmt nicht nur mich interessieren, ebenso wie Du in der Zwischenzeit damit umgehst, welche Erfahrungen hat Ihr bei der Therapie gemacht bisher?

Ein derart massives Trauma und Fraktur erzeugt eine drastische Blutstase v.a. in den Leitbahnen Blase und DuMai. Interessant wäre in diesem Zusammenhang sicherlich, was für ein Unfall den Patienten so heftig "aus dem Verkehr" gezogen hat und immernoch lähmt und wie er damit umgeht. Das ist sicherlich auch abhängig, wie alt er ist und in welchen Lebensumständen er war und ist?

Die Blutstase blockiert den gesamten Bereich der Himmelsfenster, die gesamte Versorgung aus dem Rumpf in den Schulter-Arm-Kopf-Bereich (Spastik in den Händen) und die Blasenleitbahn, incl. Bl-Tendino-Muskulärer-Leitbahn (Enddarm-/Blasenlähmung; die Fusheberparese evt. eher Ma-Lb, die auch durch das blockierte Halsgebiet zieht) und auch Blasen-Luo-Gefäss (psych. Mitleidenschaft bei der körperl. Einschränkung).

Da ich mehr in den jap. Akupunkturtechniken und im Worsley-Stil beheimatet bin, würde ich folgendes z.B. ausprobieren:
a) Brunnenpunkte mit heisser Nadel, bzw. blutig stechen,
mit dem Ziel die Leitbahn als Ganzes ins Fliessen zu bringen,
p.F. gleich mit loszuwerden, denn diese Stase erzeugt mit Sicherheit auch Hitze

b) GuaSha (Blutstase!) im Nackenbereich über DuMAi und Bl,
anschliessend mit Pflaumenblütenhammer öffnen
und danach sanfte Kegelmoxa, um dort massiv Bewegung auszulösen.

c) YunnanBaiYao und ShengMaiSan als innerliche "Herz-Schock-Therapie",
wie sie Sybill Hüssen im Unterricht weitergibt
und Trauma-Behandlung auch auf psychischer Ebene,
z.B. mit entsprechenden spirituellen Punkten,
oder dem Adrenal-Protokoll von Kiiko Matsumoto

d) weiterhin alles, was den Fluss im Nackenbereich wieder in Gang bringt.
Kiiko Matsumoto hat in ihrem Buch tolle Protokolle und Techniken,
um gerade den Halsbereich zu öffnen, genauso wie den Beckenbereich.

Gunda Harken 07.10.2009 12:37

Hallo Silja,
zunächst einmal vielen Dank für Deine lange Antwort und die vielen Anregungen!
Ja, Du hast recht: Der Fall ist wirklich nicht alltäglich, aber sehr spannend und die Behandlung lohnend. Inzwischen ist der Patient nun seit Januar bei mir in Therapie, die von seinem Unfallarzt begleitet und unterstützt wird. Die Bezahlung ist über die Berufsgenossenschaft abgesichert, da es sich um einen Arbeitsunfall gehandelt hat, was unseren Spielraum erheblich erleichert.
Gerne lasse ich Dich und andere teilhaben und versuche im Folgenden auf Deine Fragen und Anregungen einzugehen:
Die AP Empfehlung von Walter Karius war wie folgt: Le10/11, bilateral genadelt und contralateral mit Ionenpumpenkabel verbinden, welches immer noch Bestandteil der Therapie ist. Anfänglich habe ich ausschließlich diese Nadelung angewendet, da das Hauptaugenmerk auf der Behandlung der Blasenfunktionsstörung lag. Die körperliche Reaktion auf diese Nadelung war beeindruckend, da der Patient jedesmal mit ausgeprägten Körperbewegungen reagiert hat, die für ihn nicht zu steuern oder zu kontrollieren waren und den ganzen Körper, besonders aber die Extremitäten betrafen. Nach ungefähr 20 Behandlungen ließen diese Reaktionen allmählich nach und der Patient konnte zunehmend innere Bewegungen wahrnehmen. Hinsichtlich der Blasenfunktion ist zu berichten, dass die Fähigkeit, die Blase eigenständig zu entleeren, sich verbessert hat, auch wenn es ab und zu immer noch mal vorkommt, dass der Patient unkontrollierten Urinabgang hat. Ren 4 ist hierbei der Punkt, der weiter dazubeigetragen hat, die Blase stabiler zu machen, so dass es inzwischen möglich ist, die Nächte ungestört und "trocken" zu verbringen.
Ich habe den Eindruck, dass die Akupunktur den Patienten psychisch sehr unterstützt und stabilisiert. Zu Beginn der Behandlung war es ihm z.B. nicht möglich, sich selber zu katheterisieren. Zum einen lag dies sicher zum Teil in der Spastik der rechten Hand begründet, die die Handhabung erschwerte, aber zum anderen ebenso in einer inneren Weigerung, dieses zu tun. Hier hat der Patient eine enorme Entwicklung gemacht, so dass er sich nun immer öfter selber kathetern kann. Pe 6, Lu 7 und Yintang haben sehr geholfen, um loszulassen.
Ich bin auch überzeugt, dass das Trauma (ein Verkehrsunfall übrigens) eine drastische Blutstase sowie daraus resultierende Hitze erzeugt. Bislang sind wir in der Behandlung relativ symptomatisch geblieben (GB 34, Ma 43, Bl 62, Dü 3, Baxie u.ä.), um lokal Stagnation zu lösen und Blut zu bewegen. Für meinen Geschmack zu symptomatisch, aber alle Behandlungen oder Nadelungen am Rücken hat der Patient bislang kategorisch abgelehnt. Auch hier findet nun ein Wandel statt: Mit Beginn des neuen Behandlungszyklus ab November möchte er sich in diesen Bereich "vorwagen", worüber ich mich sehr freue und dem Ganzen mit Spannung entgegen sehe. Ich bin dankbar, behutsam vorgegangen zu sein und keinen Druck auf den Patienten ausgeübt zu haben. Gerade bei Patienten, die Traumen erlebt haben, ist es m. E. nach besonders wichtig, eine stabile und vertrauensvolle Beziehung aufzubauen.
Insgesamt trägt sicher die familiäre Unterstützung und die positive Lebenseinstellung des Patienten mit dazu bei, dass der Patient inzwischen recht gut mit seinem Trauma und den sich daraus ergebenen Einschränkungen umgehen kann.
Ich bin gespannt, welche Erfahrungen wir ab November machen dürfen und werde dann weiter berichten. In Bezug auf Deine Vorschläge würde ich gerne wissen, welches Buch von Kiiko Matsumoto Du meintest.

Herzliche Grüße

Gunda

Frontend: 00000000153.jpg Silja Thiemann ModeratorMitglied 19.10.2009 12:24

Liebe Gunda,

ich bin gespannt, wie sich Dein Patient weiter entwickeln wird! Ich könnte mir vorstellen, dass diese Anfangszeit am meisten Geduld erfordert hat, und es jetzt immer mehr ins fliessen kommen könnte.

Kiiko Matsumotos Clinical Strategies Vol. 1 ist das Buch, das ich angesprochen habe. Eigentlich ist alles an Handwerkszeug dort auch zu finden. Leider nur auf Englisch, aber durchaus einfach zu verstehen und nachvollziehen geschrieben. Ärgerlich nur, dass das Buch kein Stichwortverzeichnis hat, ansonsten ist für mich ein unentbehrliches Nachschlagewerk geworden:
http://www.naturmed.de/index.php?sid=5c4...

Kiiko Matsumotos Clinical Strategies Vol. 2 ist die Ergänzung. Dort werden bestimmte Symptomatiken rausgegriffen und mit den Grundlagen vom Band 1 rundum betrachtet und wiederholt. Ausserdem finden sich hier die Punkterklärungen zu RenMai und DuMai, während die Punkte der 12 Hauptleitbahnen bereits in Band 1 zu finden sind.
http://www.naturmed.de/index.php?sid=5c4...

Viele Grüsse, Silja

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