Borreliose
Ich habe eine Borreliosepatientin mit wechselnden sporadisch auftretenden Gelenkschmerzen für 5 bis 7 Tage. Ich behandle die Gelenke mit Akupunktur und setze Kräuter zur Wind, Feuchtigkeits- und Hitzeausleitung ein. Die Schmerzen werden weniger, die Gelenkentzündungen treten jedoch nicht weniger häufig auf.
Welche Erfahrungen bzw. Möglichkeiten gibt es, die Borreliose als Grunderkrankung zu behandeln.
Matthias
Silja Thiemann
ModeratorDie Borrelliose ist eine Erkrankung, die von Patient zu Patient sehr unterschiedlich ausfallen kann. Daher ist auch hier einfach das wichtigste Kriterium, sich nicht zu (westl.) Schubladendenken verleiten zu lassen, sondern in jedem Einzelfall die Symptome und Erscheinungen zu sondieren und zu bewerten.
Einfach mal ein paar Gedanken anhand der Leitsymptome, die auftreten können (aber nicht müssen, denn Borreliose ist ein "Verwandlungskünstler"):
Ansteckungsphase:
<50% charakteristischen Hautausschlag, Erythema migrans (Wanderröte)
- Äusseres Stadium, die Erkrankung befindet sich noch auf der Ebene des wei qi, und das äussere Pathogen (=Wind) dringt über die Haut ein und verschliesst die Poren, womit sich das eingeschlossenene yang qi mit einer hitzigen Erscheinung zeigt.
Eine mögliche Behandlungsstrategie in diesem Stadium wäre das wei qi zu stärken, um das angemessene Öffnen/Schliesen der Poren wieder herzustellen. Die jing-Well-Punkte spiegeln beispielhaft die Dynamik des wei qi wieder.
Frühphase:
grippeähnlichen Symptomen wie Fieber und Kopfschmerzen, charakteristisch sind starke Schweißausbrüche; schmerzhafte Nervenentzündungen von peripheren, aber auch Gehirnnerven, oft mit starken radikulitischen Schmerzen und eine Facialisparese; von Gelenk zu Gelenk springende Arthritiden und Myalgien; Störungen des Tastsinns, Sehstörungen und Herzproblemen, wie Sinustachykardien und Karditis mit Herzklopfen, hohem Blutdruck sowie Pulsbeschleunigung
Chronische Infektion:
Monate-, aber auch jahrelange symptomfreie Latenzzeiten mit anschließenden Wiederaufflackern der Erkrankung. Unspezifischen Beschwerden wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteifigkeit, Sehbeschwerden, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen sowie psychische Veränderungen können beliebig dazu auftreten.
Der Wind ist aufgrund der Schwäche des wei qi und geschlossener Poren tiefer in den Körper gedrungen, es entwickelt sich meist mehr und mehr eine Hitze-Symptomatik. In welcher Form diese auftreten, ist aber auch durch die konstitutionelle Verfassung des Patienten mitbestimmt.
AUsgehend von den Hauptsymptomen des Patienten lässt sich die Borrelliose mit verschiedenen Modellen und Konzepten beschreiben. Wer mehr in den Denkmustern der TCM und Kräuter arbeitet, wird Syndrom-orientiert arbeiten.
Bei solchen Erkrankungen, die systemisch den ganzen Körper erfassen, bietet sich aber auch eine Behandlungsstrategie an, die mit den aussergewöhnlichen Leitbahnen arbeitet:Z.B. hat der Patient bereits eine Leere des Yang-Qi im DuMai, sind Gelenkbeschwerden an der Wirbelsäule, Kopfschmerzen mit Schweregefühl und Erschöpfung, aber auch unklarem Denken und Depressionen "wie benebelt" zu erwarten. Aber auch an die QiaoMai ist zu denken, die mit der Regulation des Schlaf-/Wach-Rhythmus und der Augenmuskel-Versorgung (bei Faszialisparesen!) zusammenhängen, auch mit Taubheit, Paralysen etc.
Mit dieser Idee haben wir unter Supervision bei Walter Karius während meiner Ausbildung einen Patienten behandelt mit massiver Faszialisparese, dauerhaft offenstehendem Auge, Mundwinkellähmung und unspez. Symptomen, der als leidenschaftlicher Power-Mountainbiker dabei immer wieder Zeckenbisse in der Vorgeschichte hatte.
Es wäre in der Tat interessant, wenn noch der ein oder andere Kollege mit seinen Erfahrungen aus dem Nähkästchen beisteuern würde, denn die Erkrankung ist einfach hochkomplex und langwierig.
HTH,
viele Grüsse,
Silja
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