restless leg syndrom
Ich hatte bisher noch keine Patienten mit diesem Syndrom. Hat Jemand damit schon Akupunkturerfahrung?
Über Antworten würde ich mich freuen.
Monika B.
Silja Thiemann
ModeratorDas restless legs syndrome (RSL) tritt, aus meiner Praxis-Erfahrung, nicht als isolierte Einzelbeschwerde auf. Vielmehr ist es eines von mehreren Symptomen, unter denen die Patienten leiden, und wegen derer sie häufig bereits in verschiedenen Behandlungen sind/waren. Meist damit verbunden sind Beschwerden wie z.B. Schlafstörungen, Nervosität/Unruhezustände bis hin zu Depressionen, erhöhter Blutdruck, Neigung zu Migräne, etc.
Aus Sicht der TCM gehört diese Beschwerde/Symptom meines Erachtens meist in den Syndrom-Komplex des sog. Yin-Mangels. Unter Yin versteht man hierbei den ernährenden Teil der Körperenergie/Strukturen, der für den Aufbau und Erhalt der "greifbaren" Substanz zuständig ist. Diese Yin-Energien zeigen eine Analogizität zum Parasymphatischen Anteil des Nervensystemes, der für Regeneration, Ausschüttung von Verdauungssäften und Zur-Ruhe-Kommen verantwortlich ist. In der TCM sind Blut und die Körperflüssigkeiten ebenfalls dem Yin zugeordnet, die wiederum zur Nährung und Kühlung des Organismus zuständig sind. Weiter kennzeichnend für Yin-Mangel ist, dass diese Mangelerkrankung oft maskiert auftritt, in dem die Patienten oft überaktiv und getrieben, nervös und aufgewühlt erscheinen, eben nicht zur Ruhe kommen, bzw. dieses teils sogar bewusst meiden. Dieses Yin im Körper nimmt übrigens ganz natürlich mit zunehmenden Alter ab, die Haut welkt, die Sehnen, Bänder, Knochen werden spröde, etc. I.d.R. habe ich das RLS daher bei älteren Patienten beobachtet.
Kommen beim RLS noch Taubheit, Missempfindungen oder sogar Schmerzen hinzu, dann hat der Mangel an Yin die Versorgung der Peripherie schon derart beeinträchtigt, dass es aufgrund der Leere an Qi und Blut zu Zirkulationsstörungen und Blockaden kommt (Qi bewegt Blut, Blut transportiert Qi - aber wo nix ist, kann auch nix zirkulieren...).
Als Behandlungsstrategie gilt, den Blut- und Yin-Aufbau zu fördern durch regelmässige, hochwertige Ernährung, unterstützt durch Akupunktur und/oder Kräutertherapie. Das Hauptproblem ist allerdings der Teufelskreis, in dem diese Patienten stecken: Yin-Aufbau erfordert zwingend Ruhe zur Regeneration. Nichts fällt aber genau diesem Patienten schwerer! Und hier können Kräuter und hochwertige Nahrung oft gar nicht so intensiv zugeführt werden, wie der Patient seine Substanz weiter "verschleudert", oft auch durch schulmedizinische Medikation verstärkt (Beruhigungs- und Schlafmittel, Betablocker).
Am effektivsten ist daher die parallele Behandlung auf psychischer Ebene. Mit Akupunktur und Übungen kann dem Patienten geholfen werden, Wege zu finden, um zu entspannen und sich zunehmend ausgedehntere "Auszeiten" zur Regeneration zu erlauben. Als sehr hilfreich bei solchen unwillkürlich erfolgenden,zwanghaften Bewegungen hat sich auch z.B. die Technik der paradoxen Intention nach Viktor E. Frankl erwiesen.
Soweit mache ich einfach mal den Anfang mit meiner Sicht der RLS,
wobei Kollegen vielleicht auch ganz andere Erfahrungen mit entsprechenden Behandlungsansätzen gemacht haben? Und vielleicht mag ja der ein oder andere ebenfalls aus seiner Praxis berichten?
Viele Grüsse,
Silja Thiemann
Vielen Dank Silja Thiemann,
Yin-Xu habe ich bei dieser älteren Patientin diagnostiziert. Ich habe aber keine chin. Kräutertherapie wegen der vielen schulmedizinischen Arzneien begonnen. Ich habe ihr Kräuterblutsaft und Mineralien rezeptiert, die sie gut verträgt. Tatsächlich waren die genannten Symptome wie Schlafstörungen, Schwitzen etc. da. Als Basistherapie habe ich die Balance-Akupunktur nach Dr. Tan angewendet. Jetzt schläft die Pat. wieder und die unruhigen Beine haben sich um ca. 50% gebessert. Sie hat aus Zeit- und wahrscheinlich auch finanziellen Gründen (wir sind hier im Schwoabe Ländle) die Therapie vorerst beendet. Ich bin gespannt, ob sie Stabilität bekommt. Ich sehe sie im Herbst in meiner Qi Gong Gruppe wieder.
Ich wünsche einen schönen Rest-Sommer
Viele Grüßle
Monika Bojasch
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