Verhütungsmethoden
Hallo,
ich habe nochmal eine Frage, die mich interessiert: Ich verhüte vor Schwangerschaft mit der Hormonspirale, bei der täglich eine gewisse Dosis an Hormonen an den Organismus abgegeben wird. Glücklicherweise (?) gehöre ich zu den Frauen, die dadurch seit 3 Jahren ihre Periode nicht mehr bekommen. Im Grunde wird dadurch ja dem Körper ständig eine Schwangerschaft vorgegaukelt und die monatliche Menstruation wird unterdrückt. Das dürfte doch eigentlich nicht im Sinne der TCM sein, oder :-) ?
LG von Claudi
Silja Thiemann
ModeratorHallo Claudia,
das Thema Schwangerschaftsverhütung ist immer wieder aktuell und spannend! Denn im Endeffekt hat jede Verhütungsmethode streng genommen ihre Nachteile. Selbst die körperlich schonenden und nur im Bedarfsfalle eingesetzten Methoden wie Kondom, Dia, Lea etc. können umso mehr durch ihre Unsicherheit und Friemelei in der Anwendung zu psychischem Stress führen, der wiederum z.B. auch den Zyklus verschieben kann...
Zu den "Spiralen" (Intra-Uterin-Pessar, IUP):
Jedes IUP ist ein Fremdkörper, der im Uterus sitzt und hier zu einer lokalen Blockade führt. Wir sprechen in der CM dann von Stagnation, denn der natürliche Austausch an Qi, Blut Lymphe etc. in diesem Bereich wird dadurch gestört. Auch das Keimmilieu verändert sich, denn die natürliche Schleimblockade vor dem Muttermund ist durchbrochen. Das ist auch der Grund, warum es bei IUP zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit an aufsteigenden Infektionen im Uterus kommt. Das schwächer werden und "Verschwinden" der Monatsblutung ist für den Therapeuten daher bereits ein deutliches Symptom für diese Blutstagnation, die sich dort bildet. Diese Blutstagnation blockiert den Fluss durch die aussergewöhnlichen Leitbahnen des RenMai und CHongMai. Der Uterus, ebenfalls ein sog. aussergewöhnliches Organ, kann vom Körper über den blockierten ChongMai nicht mehr ausreichend genährt werden. Über Jahre unterernährtes Gewebe kann dann als Langzeitfolge zu Störungen in der Gewebsreproduktion führen.
Diesen Effekt sehe ich als das Hauptproblem bei IUP an. Im Vergleich zur "Pille" ist die abgegebene Hormonmenge relativ gering, so dass weniger das Vorgaukeln einer Schwangerschaft im Vordergrund steht. Hier wird direkt das Einnisten der befruchteten Eizelle verhindert, während die Pille durch das Simulieren einer Schwangerschaft gar keine Eizellen zum Beruchten produziert. Aus dieser Sicht halte ich die Pille mit für die problematischste Verhütungsmethode.
Das IUP ist IMHO etwas besser, solange die Monatsblutung weiterhin erfolgt. Die Blutung ist einfach ein wichtiger Bestandteil des Zyklusses, denn das Gewebe im Uterus baut sich einfach zyklisch auf, und muss auch zerfallen und sich ausleiten können. Ich rate daher v.a. dann vom IUP ab, wenn die Blutung erstirbt.
Ich bin gespannt, was gerade auch unsere Kollegen aus der gynäkologischen Fachgebiet aus ihren Erfahrungen evt. ergänzen werden. Denn Verhütungsmethoden sind einfach immer auch mit ein Thema bei Patientinnen.
Viele Grüsse, Silja
Hallo Silja,
vielen Dank für die schnelle Antwort! Eine Frage: was heißt denn IMHO?
Welche Verhütungsmethode ist denn dann aus Sicht der TCM die am wenigsten problematischste?? "Nur" mit Kondom oder gar mit der Temperaturmethode zu verhüten ist mir absolut zu riskant!
Viele Grüße, Claudia
Silja Thiemann
ModeratorLiebe Claudia,,
IMHO = Abkürzung für in my humble opinion - meiner bescheidenen Meinung nach
(typ. webslang, sorry)
Tja, Deine Frage nach dem am wenigsten problematischen Verhütungsmittel ist immer wieder eine Menge Diskussion wert! Sie lässt sich auch nicht allgemein gültig formulieren. So habe ich z.B. gerade eine Patientin, deren massive Monatsblutungen durch die Spirale in ein für sie erträgliches Mass verringert wurden. In diesem Falle habe ich ihr nicht vom IUP abgeraten, denn hier steht ohnehin Blutaufbau massiv im Vordergrund...
Ich halte die Kombination aus Kondom und "Lea Contraceptivum" immernoch am schonendsten. Vorraussetzung dafür ist ein sicherer Umgang mit beidem, eine recht gute Körperwahrnehmung und ein gewisses Mass an Disziplin. Das mit dem Lea verwendete Gel, ich rate da zum Contragel grün, ist normalerweise auch gut verträglich. Auf Milchsäurebasis unterstützt es sogar die Vaginalflora. Die Sicherheit in der Kombination und korrekten Handhabung steht dann Spirale oder Pille um nichts nach. Und wer ganz sicher sein will, kann zusätzlich den Kalender mit zu Rate ziehen und um den Eisprung besonders zurückhaltend sein...
Ist die Familienplanung def. abgeschlossen, sollte sich das Paar überlegen, ob eine Vasektomie des Mannes nicht eine Möglichkeit wäre. Die Sterilisation beim Mann ist ein kleiner, ambulanter Eingriff, der zu den sichersten chirurgischen Eingriffen überhaupt zählt. Das Hauptproblem ist dabei "nur" die Psyche des Mannes, weshalb es in der BRD viele Männer ablehnen. In anderen Nationen ist der Eingriff mittlerweile mit deutlich mehr Selbstverständnis üblich. Sicher, auch hierbei entsteht eine kleine Narbe, die eine lokale Stagnation erzeugt. Auch der Samen, der ja weiterhin erzeugt wird, muss nun vom Körper abgebaut werden. Diese Stagnationen halte ich im Vergleich zu allen anderen Verhütungsmethoden für die geringsten! Allerdings nur dann, wenn der Partner voll dahinter steht, denn diese Entscheidung ist endgültig!
Bei Ablehnung oder Schwierigkeiten mit Kondomen oder auch dem Lea, bleiben dann eben nur die Methoden, die deutlich mehr Nebenwirkungen haben, IUP und Pille. Bzw. kommt es einfach auch darauf an, wie sicher muss die Verhütung sein? Daher sollte diese Überlegung in aller Ruhe erfolgen, man sollte sich die Vor- und Nachteile genau erklären lassen, ebenso wie die Handhabung.
Aus meiner Erfahrung geben die wenigsten niedergelassenen Frauenärzte gute Info über alternative Methoden. Noch schlechter sieht es bei Anleitungen aus, wie z.B. ein Lea oder auch ein Diaphragma eingesetzt werden muss. Gerade das Dia muss angepasst werden. Es ist ein Riesenunterschied inder Handhabung, ob man versucht das Dia korrekt einzusetzen, oder nur die Probierringe in die Hand bekommt, mit denen der Frauenarzt die Grösse testet! Das Lea ist da deutlich einfacher, aber erschreckt manche Frau aufgrund seiner Grösse. Mit dem Gel flutscht es dann aber i.d.R. ohne Probleme.
Viele Grüsse, SIlja
Liebe Silja,
herzlichen Dank für Deine tollen und ausführlichen Antworten!
Ich leide seit vielen Jahren an Depressionen (bin jetzt 26). Mit 16 habe ich angefangen die Pille zu nehmen, seit 3 Jahren habe ich die Hormonspirale. Gibt es Deiner Meinung nach einen möglichen Zusammenhang?
LG, Claudia
Sie möchten ebenfalls an dieser Diskussion teilnehmen? Dann können Sie sich hier kostenlos registrieren.